K3 Bassanio

Shakespeare macht uns Bassanio sympathisch.

Bassanio ist ein Adeliger. Einer, der (beruflich) nichts kann und der grundsätzlich nicht arbeitet.

Von jedem, besonders aber vom bürgerlichen Standpunkt aus gesehen, ist Bassanio ein hemmungsloser Verschwender (er hat das geerbte Vermögen bereits durchgebracht), dazu ein Parasit (er lässt sich von seinem Geliebten Antonio aushalten und finanzieren) – und schließlich ein Mitgiftjäger (Portia ist unermesslich reich, Bassanio vergisst nicht, das gegenüber Antonio hervorzuheben).

UND er ist ein Glückkind. Alles gelingt ihm. Mit seinem Charme betört er Antonio, die Männer seiner Clique, Portia, das Theaterpublikum seit 400 Jahren, die Anglisten dazu – er bezirzt die Welt. Sogar bei der Kästchenwahl ahnt er, was zu tun ist – warum das bleierne Kästchen das richtige sein muss.

Was sagt ein ernsthaft merkantil gesinnter Geschäftsmann des Jahres 1600 zu diesem Bassanio? – Im wirklichen Leben funktioniert das nicht, sagt er. Ja, in der Komödie kann man das mal genießen, aber man hofft doch, dass kein Sohn der Familie sich das zum Vorbild nimmt. Eigentlich gefällt es ihm nicht, wenn man den Kindern betuchter Eltern einen Bassanio-Floh ins Ohr setzt.

Und – wird es denn lange gut gehen mit Portia? So hemmungslos, wie Bassanio mit dem Geld um sich wirft, wird er bald auch deren Vermögen aus dem Fenster geworfen haben. Wird die – wie wir im 5. Akt sehen – lebenskluge und selbstbewusste Frau dieses leichtsinnige Spiel lange mitmachen? Schon mit dem Ring-Spiel deutet sie an, dass sie Bassanios Leichtsinn, seinen Mangel an Verlässlichkeit, erkannt hat. Sie wird sich den charmanten Mann unterwerfen müssen, wenn sie überleben will. Wenn sie nicht in ein oder zwei Jahren ihr ganzes Vermögen verschwendet sehen will.

Entspringt nun dieser Bassanio als geliebter Freund und Ehemann dem Gehirn eines engagierten, tüchtigen, erfolgreichen Kaufmanns, der es von weit unten bis hinauf zum Millionär bringt?

Vielleicht ja. Aber man möge es uns bitte erklären!


Fortsetzung: Antonio vs. Shylock: der Zins und der Hass

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