Anne Shakspere, geb. Hathaway

Geboren 1555 oder 1556 in einem Dorf ganz in der Nähe von Stratford, in Shottery, heiratet sie 1582 wohl etwas überstürzt, 27jährig ihren erst 18jährigen William Shakspere. Sie ist bereits im 3. Monat schwanger.

Es kann gut sein, dass die Familien Shakspere und Hathaway schon lange befreundet waren; dass also die Heirat ganz im Sinne des Vaters war. Ob auch im Sinne des Sohns, wissen wir nicht.

Immerhin folgen auf Susannas Geburt 1583 die Zwillingen Judith und Hamnet. Dann kein weiteres Kind mehr. (Die Shakespeares waren unterdurchschnittlich fruchtbar. Judith wird drei Kinder zur Welt bringen, die alle früh sterben; Susanna ein einziges, ihre Tochter Elizabeth trotz zweier guter Ehen keines. Die drei Söhne Gilbert, Richard und Edmund werden nicht heiraten.)

Über die seltsamen Umstände bei der Verheiratung habe ich an anderer Stelle geschrieben.

Wir ahnen mehr, als dass wir wissen: Anne Shakspere ist eine nährende Mutter für ihre Kinder und eine auch im Wirtschaftlichen aktive Bewohnerin von New Place. Wir können sie uns auch als Bierbrauerin vorstellen.

Wie steht sie zu ihrem Mann – und der zu ihr?

Nehmen wir die Manningham-Anekdote ernst, so war ihr William („der Eroberer“) nicht treu.

Glauben wir, dass die Sonette von ihrem Mann stammen, so liegt der Ehebruch offen zutage. Ihr hat Will kein Sonett gewidmet. (Auch nicht das, in dem die Worte hate away auftauchen – es gehört zu den peinlichsten Entgleisungen der Stratfordianer, hier einen Bezug zu Hathaway herzustellen.)

Kommt die gute Mutter und fleißige Hausfrau einmal erkennbar (und anerkennend) im Werk vor? – Warum nicht?

Das einzige aussagekräftige Dokument, das wir zur Beziehung William – Anne haben, ist das Dokument, und das ist eindeutig.

Normalerweise nennt der sterbende Ehemann seine weiter lebende Ehefrau zu Anfang des Testaments, und er nennt sie beim Namen, und er fügt dem Namen noch ein anerkennendes Adjektiv hinzu – und dann vererbt er ihr einen substanziellen Teil dessen, worüber er verfügen kann. Oft setzt er seine Frau – und Anne war doch wohl tüchtig, oder? – auch noch als Vollstreckerin der Testamentsbestimmungen ein.

Nichts von alledem findet sich im Testament. Ganz hinten kommt die Frau vor, zwischen zwei Zeilen geklemmt ein Zusatz, kein Name, kein nettes Wort – nur das zweit-beste Bett kriegt sie.

Danke.

Alles klar. Die Ehe war zerrüttet. Und William war kein liebender Ehemann. (Ob Anne eine gute, liebende Ehefrau war – oder ein Drache – wissen wir natürlich auch nicht.)

Im übrigen können Sie die Pirouetten bewundern, die viele der Shakespeare-Biographen drehen, oder Hathaway-Biographin Greer oder wer immer über diese Ehe schreibt. Spitzenleistung ist vermutlich Joyce Rogers, auf die ich vielleicht nächstes Jahr, wenn ich alles Wichtigere abgearbeitet habe, auch einmal eingehen möchte.

Es ist den Fans von Shakespeare/Stratford einfach unerträglich, wenn ihr Held schlecht wegkommt. Da kennen sie dann keine Hemmungen mehr und wunschdenken sich so allerlei herbei.

Zur Ehrenrettung des Stammes der Stratfordians muss ich zugeben: Es gibt in dieser einen Frage auch nüchterne Interpreten, etwa Greenblatt und Duncan-Jones.

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