Contra 3: Bezüge Shakspere – Werk?

(Baustelle!)

Was wir über Shakspere aus Stratford wissen, lässt sich kaum mit dem Werk und dem Leben des Schöpfers verbinden.

Aller gewaltsamen und skurrilen Versuche der Stratfordianer zum Trotz.

Ganz gleich, welche Dichter-Biographie Sie aufschlagen: Der Biograph verschränkt möglichst eng und intensiv die das Leben des Autors mit dem Werk. Aus dem Werk schießt er auf das Leben, aus dem Leben schließt er auf das Werk. Es ist eine oszillierende Bewegung. Leben und Werk ergeben eine Einheit. Als Leser oder Hörer oder Zuschauer erlebe ich in dem Werk, das ich genieße, auch den Schöpfer dieses Werks.

Nur bei Shakespeare und ausgerechnet bei Shakespeare soll das anders sein?

Die Biographen schreiben deshalb überwiegend Roman-Biographien, die sie dann aber als Real-Biographien ausgeben.

Andere fordern uns auf, auf den Versuch zu verzichten, die Biographie mit dem Werk, das Werk mit der Biographie zu verzahnen.

Läge es da nicht näher, einmal die Frage ernst zu nehmen: War er, der Mann aus Stratford, wirklich der Autor?

Bezüglich zweier Werke gehe ich der Frage in eigenen Hauptkapiteln nach: Die Sonette und Der Kaufmann von Venedig. Ein drittes könnte folgen: Hamlet.

Im Biographie-Teil und im Hauptkapitel über Stratford-upon-Avon habe ich bereits auf die dokumentarisch begründeten Zweifel hingewiesen: Testament, Name, fehlende Hinweise auf den Autor (keine Berichte darüber, keine Briefe, keine Manuskripte, keine Reaktionen auf den Tod, keine Informationen über den Bildungsweg, die seltsamen Unterschriften u. a.), die konsequente Vernachlässigung des Werks,

In diesem Kapitel soll es um etwas anderes gehen: Inwiefern passt das, was wir aus dem Werk erfahren, auf den Geschäftsmann aus Stratford? Und umgekehrt – inwiefern passt der Geschäftsmann zum Werk?

An anderer Stelle habe ich mir ein Gedankenspiel erlaubt: Es geht darum, dass der Name in London und auf den Quartos meist Shakespeare (oder Shake-speare) heißt, in Stratford aber ganz überwiegen Shakspere (oder eine Version davon).

Shakespeare ist natürlich kein Pseudonym, wie einige annehmen, aber ICH als seriöser Kaufmann IN STRATFORD heiße Shakspere, ICH als berühmter, aber eben auch berüchtigter und gefährdeter Autor IN LONDON, Autor von moralisch angreifbaren Theaterstücken und Sonetten und zwei erotischen epischen Gedichten, nein, Leute, mein Londoner ICH lasse ich Shakespeare nennen.

Damit mache ich den Unterschied klar. Die eine Person ist nicht so einfach gleich der anderen. IM PRAKTISCHEN LEBEN bin ich der geschäftlich und moralisch seriöse, der hart aufs Geld schauende Kaufmann aus Stratford, merkantil bis in die Knochen – alles andere als der doch ziemlich exzentrisch und riskant schreibende Dichter mit seiner Vorliebe für Verschwender, Narren, Müßiggänger, Schwärmer, Verbrecher, freche Jungfrauen, verdammt intellektuell und klassisch irre gebüldet daherredende Bühnenfiguren – und – ha ha – mit meiner Verachtung für die dummen Bottoms und Dogberrys der pöbeligen Mittelschicht.

Und kommt mir einer in Stratford mit dem Verweis auf London quer, dann zeige ich kühl auf den Namensunterschied und weise die Verantwortung für die Werke zurück. Wie anders sollte ich mich auch schützen? In Stratford wäre ich als der Autor unchristlicher, christenverführender Werke unten durch. Die Sonette also sind auf keinen Fall von Shakspere – ich bin kein Sodomit und kein Ehebrecher! Zwinker Zwinker.

Warum widmen sich unsere Shakespeare-Biographen nicht dieser schönen Aufgabe, die beiden dramatisch auseinanderklaffenden Welten einmal in einer Person, in einer Biographie zusammenzudenken?

Vielleicht, weil es unmöglich ist?


Geplante Unterkapitel – über die in der rechten Spalte bereits genannten hinaus:

Die Einheit von Werk und Autor. – Die Bildung eines Genies. – Die Perspektive des Aristokraten und die Perspektive des bürgerlichen Geschäftsmanns widersprechen sich. – Besondere Kompetenzen: Recht. – Fremdsprachen. Jagd. Italien. – Das Merkantile fehlt im Werk. – Wurde Shakspere am Ende Puritaner? – Engagement fürs eigene Werk fehlt. – Shakespeares Aristokraten. Bürger. Kaufleute. Narren. Anarchisten. Diener. Frauen.

Außerdem werde ich Werk für Werk durchgehen und auf autorschaftsrelevante Aspekte hinweisen.

Möglich, dass ich das eine oder andere dieser Themen noch zu einem eigenen Hauptkapitel mache, so wie bei den Sonetten umd beim Kaufmann bereits geschehen.

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