Biographie Shakspere: Allerlei Zeugnisse

Keiner bezeugt einen Autor. Aber gelegentlich hören wir etwas über Shakspere und von ihm selbst.

Von ihm selbst: vor allem das Testament und die Unterschriften.

Außerdem: Seine Aussage im Bellot-Mountjoy-Prozess. (Er erinnere sich nicht mehr …)

Außerdem: Thomas Greene, town clerk in Stratford und Freund (und zweitweiliger Untermieter in New Place) über Shaksperes Einstellungung zum Welcombe-Enclosure-Streit.

Außerdem: Shaksperes Aussage gegenüber George Buck.

Das wär’s, was wir direkt oder indirekt von Shakspere persönlich vernehmen.

Andere haben einiges über ihn gesagt.

Einmal angenommen, shake-scene sei tatsächlich auf Shakspere gemünzt (was keineswegs sicher ist), hätten wir da etwas zu seinen Anfängen in London; wir können es dann ergänzen mit Greene’s Groatsworth of Wit, Ben Jonsons Sogliardo und Poet-Ape sowie den Parnassus-Anspielungen.

Da wäre vor allem Ben Jonson im First Folio. Ein recht generelles, an einigen Stellen seltsames Lob. Siehe die First Folio-Seiten.

Dann Ben Jonson noch einmal in Timber – falls das, was er da sagt, nicht über Oxford, sondern tatsächlich über unseren Shakspere gesagt ist. (Man kann da verschiedener Meinung sein.)

Wir können den Epitaph dazunehmen.

Eigentlich auch Droeshouts Portrait-Stich und Dugdales Zeichnung und Nicht-Bericht über einen berühmten Autor aus Stratford.

Zwei Generationen nach seinem Tod beginnen erste Aussagen, Erinnerungen, Gerüchte, Klatschgeschichten aufzutauchen. Denn nun fragen sich die ersten Leute, wer war denn dieser Dramendichter aus Stratford eigentlich?

(Vorher hat man sich darum kaum gekümmert.)

Nun wird’s unterhaltsam. Was den Befragten da alles einfällt, in „Erinnerung“ geblieben ist … Werfen wir einen Blick darauf!

Da wäre Vikar Dr. John Ward in seinem Tagebuch.

Da wäre der Klatschsammler Aubrey.

Da wäre Betterton, der Sohn eines Schauspielers, der mit Shakspere zusammen auf der Bühne war. (Auf der selben Seite)

Da wäre noch Aubreys Davenant-Story. (Wird nachgeliefert.)

Da für Biographen verzweifelt wenig Material zur Verfügung steht, rettet man sich gern mal in den Bereich dieser bunten Erfindungen. Die gewiss auch mal etwas Wahres enthalten können – nur, wir können nicht wissen, was da wahr und was Erfindung und Verzerrung ist.

Was wir auf jeden Fall aus diesen zwei, drei Generationen danach aufgezeichneten „Erinnerungen“ entnehmen können: Für den Dichter der Werke Shakespeare geben sie so gut wie nichts her. In vielen Fällen sind sie sogar destruktiv für die Annahme, der Mann aus Stratford sei der Dichter.


Alles andere sind Reaktionen auf das Werk und auf einen Autor, den wir zu bestimmen versuchen.

Verwchseln wir das nicht!

Entscheiden wir die Autorschaftsfrage nicht schon, bevor sie überhaupt gestellt ist.


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