Biographie Shakspere: Der Geschäftsmann

Shaksperes Chronologie ist die eines tüchtigen, erfolgreichen Geschäftsmannes. Seine Prioritäten kommen klar zum Ausdruck: Geldverdienen, Reichwerden, Standeserhöhung, Leben als Honoratior in der kleinen Heimatstadt, ruhiger Lebensabend.

Stratfordianer werden einwenden: Da wird absichtlich und missgünstig das Werk weggelassen. Seit 1593/1594, vor allem ab 1598 erscheine immer wieder der Name Shakespeare als Autor von Werken. Auch beziehen sich dann viele andere auf diese Werke und auf den Autor.

Richtig. Uns geht es hier aber um die Frage: Pseudonym oder nicht? War der Geschäftsmann aus Stratford der Autor oder nicht?

Fällt der Name Shakespeare (bzw. Shake-speare) in einer Widmung oder auf einem Titelblatt oder in einer Autoren-Erwähnung, dann ist damit nicht von vorne herein gesagt, dass der Mann aus Stratford, der Teilhaber der Lord Chamberlain’s bzw. King’s Men gemeint ist.

Gibt es zu seinen Lebzeiten einen Fall, bei dem die Verbindung von Shakspere/Stratford und Shakespeare/Autor deutlich würde?

Es gibt keinen Fall, in dem der Bezug eindeutig wird.

Das überrascht.

Da haben wir an die 70 dokumentarische Belege für den Mann aus Stratford – und ALLE sprechen von einem Geschäftsmann und gelgentlich von einem Schauspieler. KEINER spricht von einem Autor.

Von den geschäftlichen Aktivitäten (und, in begrenztem Maße auch von den schauspielerischen Aktivitäten) haben also Dutzende von dokumentarischen Lebenszeichen unsere Zeit erreicht – sicherlich auch nur die winzige Spitze eines riesigen Eisbergs – und von den gewiss zahllosen dokumentarischen Lebenszeichen eines kooperativ arbeitenden, eines noch dazu drei Reisetage entfernt von London lebenden Schriftstellers hat sich NICHTS erhalten?

Zufall! Pech!

Ich würde aus so viel einseitigem Zufall einen Schluss ziehen. Statistisch gesehen erhalten wir ein starkes Indiz: Der Mann war, wie die Dokumente ausweisen, ein Geschäftsmann. Kein Autor.

Ich höre die Einwände der Stratfordianer. Sie haben nicht ganz unrecht, wenn sie verzweifelt darauf pochen: Es gibt eben Zufälle! Und Pech dabei.

Betrachten wir diesen speziellen Zufall (Geschäftsdokumentation im Übermaß, aber NULL Autor-Dokumentation) im Zusammenhang

a) mit der fehlenden Bildungsgeschichte

b) mit dem Testament und den seltsamen Unterschriften

c) mit dem Phänomen, dass uns auch bei Tod des Stratforders kein Nachruf etc. erhalten geblieben ist

d) damit, dass sich der (angebliche) Autor scheinbar nie um die Publikation seiner Werke gekümmert hat

e) damit, dass der (angebliche) Autor nicht an der Bildung seiner Töchter interessiert war

f) damit, dass erst sieben Jahre nach seinem Tod explizit Autorschaft und Stratford-Mann miteinander in Beziehung gebracht worden sind

g) damit, dass das ursprüngliche Shakspere-Monument einen Händler und keinen Autor gezeigt hat

h) damit, dass 1609 bei der Veröffentlichung der Sonette der Autor offensichtlich bereits verstorben war (und angesichts des problematischen Inhalts der Sonette ein Pseudonym ohnehin geraten war).

Aus diesem Zusammenhang gewinnen wir unsere Sicherheit. Alle einzelnen Punkte kann man skeptisch und pro-stratfordisch angehen, also immer fragen, ob es nicht eben doch eine wie auch immer schwache Erklärungsmöglichkeit gibt. Nimmt man aber alle oben genannten Punkte zusammen, sieht es schlecht bis unmöglich aus für die Autorschaft von Shakspere aus Stratford. Wir haben einen Indizienbeweis vor uns.

Shakspere war kein Autor, sondern Schauspieler (in den Anfangsjahren) und Geschäftsmann mit dem Ziel, sich eine wohlhabende und geachtete Position im heimischen Stratford-upon-Avon zu schaffen.

Wer nun dennoch behaupten möchte, dieser tüchtige Geschäftsmann habe eben AUCH das Werk verfasst, möge er oder sie uns die Psychologie dieser ungewöhnlichen biographischen Einheit verständlich machen.

Dieser merkantil orientierte Mann mit seinen auffallend kunstfernen Prioritäten ist zugleich der Mann, der die Werke Shakespeares geschrieben hat?

Wie soll das gehen? Wie bringt man das plausibel zusammen?

Ich habe noch keinen Biographen gefunden, der es versucht hätte. Immer fällt der Geschäftsmann recht knapp aus in der Biographie. Oder aber, es wird behauptet, da brauche nichts zusammenzugehen, da brauche nichts erklärt zu werden. Es sei eben ein Wunder der menschlichen Natur.


Zum Thema „Geschäftsmann“ gehört auch das unschöne Bild, das Greene’s Groatsworth of Wit und andere Beiträge der Zeit vermutlich von Shakspere zeichnen. Hier die shake-scene-Seiten!

Ebenso der fehlende Literary Paper Trail


Informationsgrundlage dieses Abschnittes:

Diana Price, Shakespeare’s Unorthodox Biography. 2013.

Robert Bearman: Shakespeare’s Money. Oxford University Press 2015

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