Stratford-upon-Avon: Katholiken

In der Zeit König Edwards (1547-53) wird Stratford-upon-Avon eine vorwiegend reformierte Stadt mit immer noch starker katholischer Minderheit.

Nachdem Queen Elizabeth das Szepter in die Hand nimmt und ihrem in Religionsfragen entschieden reformiert handelnden Günstling Robert Dudley, später Earl of Leicester, fast freie Hand gibt, und nachdem die Katholiken ihre Herrschaft und ihr Leben bedrohen und sie ersetzt sehen wollen durch Mary Stuart, verschärft sich die Repression gegen die Katholiken zunehmend.

Auch in Stratford-upon-Avon.

1570 werden der zum „Papismus“ Bürgermeister und der Schulmeister entlassen. Die Kirchenräume werden gereinigt von katholischen Zeichen.

Ein weiterer Schulleiter in Stratford ist der Bruder von Thomas Cottan, der den katholischen Widerstand in England zu organisieren versucht, 1580 verhaftet, gefoltert und hingerichtet wird.

Viele Katholiken leisten der nun anglikanischen Kirche Lippendiest, besuchen ihren Gottesdienst, verweigern sich aber der Kommunion.

Zu den hartnäckigen Katholiken gehören einige der wichtigeren Familien in der Stadt und ihrer Umgebung.

Die Ardens of Park Hall trifft es besonders hart. Einer von ihnen, John Somerville of Endstone Hall, dreht durch und reist nach London mit der öffentlichen Ansage, die Queen erschießen zu wollen. Das gibt Gelegenheit, das Oberhaupt der Ardenfamilie, Edward Arden, zu hängen und zu vierteilen.

John Shakspere könnte zu den Katholiken gehört haben, die sich oberflächlich angepasst, insgeheim aber an ihrer angestammten Religion festgehalten haben. Dafür spräche das 1757 gefundene „Testament“, in dem er sich zum Katholizismus bekennt. (Falls es authentisch ist.) – Dagegen spricht allerdings, dass er nicht als recusant auftritt, auch nicht unter den recusants genannt wird, als diese in einem Dokument aufgelistet werden. Wenn er vorübergehend nicht zum Gottesdienst geht, dann – so stellen es die Stadträte selbst fest – wegen der Gefahr, als Schuldner ergriffen zu werden.

1598 wird der Stadtrat George Badger aus der Stadtregierung ausgeschlossen, weil er Katholik ist.

Damit allerdings scheint das Kapitel Katholizismus weitgehend erledigt zu sein – künftig werden sich die Konflikte vor allem zwischen moderaten und radikalen Protestanten abspielen, dann auch zwischen verschiedenen Varianten der Radikalen.

Es gibt aber noch ein heißes Nachspiel: 1605 versuchen radikale Katholiken, das Parlament samt König in die Luft zu sprengen. Ein Zufall verhindert das Gelingen des Anschlags. In der Nähe von Stratford lebt einer der Hauptbeteiligten an der Verschwörung, Robert Catesby und hält sich nahe London bereit, zuzuschlagen. Als die Nachricht von der vorzeitigen Entdeckung kommt, flüchtet er mit seinen Spießgesellen Richtung Stratford, raubt dem Stratforder Grundherrn Sir Fulke Greville die Pferde aus dem Stall und liefert sich mit den Verfolgern ein letztes tödliches Gefecht bei Haddington. – Aufregende Tage in Stratford: ein Drama ganz in der Nähe!

In der Folge greift man auch in der Stadt noch einmal gegen (angebliche) Katholiken durch. Einige Biographen meinen, dass darunter auch Susanna Shakspere gewesen sei, die 1606 wegen unzureichendem Gottesdienstbesuchs angeklagt wurde.

Im Jahr darauf allerdings heiratet sie den strengen Puritaner John Hall. Das macht es nicht wahrscheinlich, dass sie katholische Sympathien gehegt haben könnte.

Die Puritaner werden in der Stadt nach und nach stärker. Es sieht so aus, als ob sich Shakspere ihnen zuwendet. Sein hoch geschätzter Schwiegersohn und Erbe jedenfalls steht auf der Seite der Radikalen, der Puritaner.

Einige „recusants“ (Katholiken) gibt es auch weiterhin; sie zahlen lieber die Strafsumme, als dass sie den ihrer Überzeugung nach ketzerischen reformierten Gottesdienst besuchen. Zu ihnen gehört der Shakspere-Freund William Reynolds.

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