Biographie – Shakspere: Parnassus-Plays. Gullio = Shakspere?

(Ich gebe hier eine Zusammenfassung von Diana Price („Shakespeare’s Unorthodox Biography; hier: Seiten 78-86). Mit den Parnassus-Stücken beschäftigt sich auch Kreiler ausführlich. Ich werde darauf zurückkommen, sobald ich dieses Buch ein zweites Mal gelesen habe.)


Für die Universität Cambridge und dann dort aufgeführt wurden drei satirische Theaterstücke unter dem Titel Parnassus:

I. The Pilgrimage to Parnassus (1598/99)

II. The First Part of teh Return from Parnassus (1599/1600)

III, The Second Part of the Return from Parnassus (1601/02)

In ihnen spielen sowohl der Theatermann Shakespeare als auch der Autor Shakespeare eine Rolle, und es ist eine Frage der Interpretation, wann dieser, wann jener gemeint ist – oder ob es sich immer um denselben handelt.

Ein Dummkopf ist Gullio. Er erinnert uns an den shake-scene aus Greene’s Groatworth of Wit und an Ben Jonsons Sogliardo.

Auch Gullio bombastet Verse heraus, improvisierend, mischt fremdsprachige Phrasen, die er nicht richtig versteht, in seine Reden, blickt herablassend auf diejenigen mit Universitätstraining, gibt Verse anderer als die seinen aus … Er sei ein Gentleman und selber ein Gelehrter. Er trägt teure Kleidung. Er kommt vom Lande und hat den Ehrgeiz, Höfling zu werden. Er betätigt sich als Bekleidungsvermittler.

Der oder die Autoren der drei Parnassus-Stücke ehren den Autor der beiden überaus populären Vers-Epen Venus und Adonis und Der Raub der Lucrezia, die per Widmung einem Autor namens Shakespeare zugeschrieben werden.

Sie verbinden diesen Namen aber nicht mit anderen Dramen – zu diesem Zeitpunkt waren bereits an die 20 Shakespeare-Dramen auf den Bühnen. Das war den Parnassus-Autoren und den Zuschauern sicherlich bekannt. (Viele Quartos erscheinen ab 1598 mit dem Namen Shakespeare als Autor. Palladis Tamia hat 1598 explizit ebenfalls 12 Shakespeare-Dramen genannt.)

Auch über Shakespeares Gedichtproduktion macht man sich lustig. Aber nie über seine Stücke. Denen gegenüber herrscht Verwirrung. Von wem sind sie eigentlich? Besonders Gullio kommt dabei ganz durcheinander.

Ein Parnassus-Stück behauptet, Shakespeare oder Shakspere habe den pestilenzialischen Ben Jonson gereinigt (purged). Das bleibt uns unverständlich.

Ein Redebeitrag des Komödianten Kempe bringt Shakspere und Shakespeare ordentlich durcheinander.

Im dritten Parnassus-Stück spricht ein Studiosus von „mimic apes“, die auf Kosten von Gelehrten leben – sie verdienen an ihnen, werden reich, während die Gelehrten arm bleiben … Für was heuern die „mimic apes“ die Gelehrten an?

Soweit ein Überblick über Diana Prices Darstellung. Sie zeigt, wie sehr man sich hier im Ungefähren bewegt, wie sehr vieles, das uns wichtig wäre, Konjektur und Möglichkeit bleibt.

Ich werde noch sehen, was Kreiler daraus macht.


Der Idiot Gullio brüstet sich, kürzlich in einem Epigramm von Weever lobend hervorgehoben worden sei. Allerdings wird Gullio in einem Epigramm von Weever hervorgehoben – als jemand, der in Tyborn gehängt und dessen Leib den Würmern zum Mahl überlassen worden seien.

Allerdings hat Weever auch ein Sonett geschrieben, in dem der „honig-züngige“ Gulielmum Shakespeare gepriesen wird. Gullio hält sich vielleicht für diesen Gulielmum und fühlt sich darum gepriesen?

Das ist keine logische Schlussfolgerung, denn Gullio selbst lobt Shakespeare als Autor, wird sich also nicht für Shakespeare halten. Oder verwechselt er hier Shakspere und Shakespeare?

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