Contra 1: Biographie William Shakspere

Man kann eine Biographie des Mannes aus Stratford als Autor schreiben; es gibt Dutzende davon, und Sie werden wenigstens eine davon gelesen haben. Die in Deutschland am meisten gelesene bespreche ich ausführlich: die Rowohlt-Monographie von Alan Posener.

Für den Zweck unserer Forschung nach der wahren Autorschaft bietet es sich an, eine Biographie zunächst ohne Einbeziehung der unter dem Namen Shakespeare laufenden Werke zu geben.

Bis 1623 hat vermutlich niemand die Werke Shakespeares mit dem Geschäftsmann und Schauspieler Shakspere aus Stratford verbunden. Jedenfalls liegen keine eindeutig dafür sprechenden Dokumente vor.

Dafür aber Dutzende von Dokumenten, die das Geschäftsleben des Mannes aus Stratford belegen.

Würde die akademische Shakespeare-Anglistik wissenschaftlich vorgehen wollen, würde sie zunächst versuchen, das Leben und die Eigenschaften des Mannes aus Stratford strikt nach den ca. 70 Dokumenten darzustellen – und dann zu überlegen, wie das Resultat dieser Forschung zum Werk passt.

Sie können dabei durchaus auch die – vermuteten! – Anspielungen einbeziehen, in denen einige Autoren (darunter Greene und Ben Jonson) sich über den problematischen, Theatermann Shakespeare äußern. Fürs damalige Theater in London war Shakspere aus Stratford tatsächlich ein wichtiger Mann – als Finanzier, als Manager.

Blickt man auf das Leben von William Shakspere aus Stratford, so ergibt sich folgendes Bild – und die Interpreten des Werks, die den Stratforder für den Autor halten, sollten sich dieses Bild immer vor Augen halten:

William Shakspere aus Stratford denkt merkantil, denkt ökonomisch. Das Geldverdienen und Reichwerden haben Priorität. Verschwender, Müßiggänger, Narren schätzt er nicht – sie widersprechen seiner bürgerlich-kaufmännischen Gesinnung.

Er zieht das Leben in der Landstadt Stratford und die Freunde aus der lokalen Oligarchie vor. Das Leben in der kulturreichen Großstadt, der Verkehr mit Intellektuellen, Gebildeten, mit anderen Autoren, mit Musikern etc. reizt ihn nicht. Sie sind ihm keine Korrespondenz, keine Widmung, keine Erwähnung, kein Buchgeschenk, kein Legat in seinem Testament wert. Und umgekehrt kümmern diese Leute sich auch nicht viel um ihn.

Die orthodoxen Biographen geben durchaus (wenn auch ungern und verschämt) zu, dass ihrem Shakespeare das Geldverdienen, das Reichwerden, die Standeserhöhung, das Ansehen unter den Stratforder Kleinstadt-Oligarchen wichtig war. Wie verbinden sie das nun mit dem ganz anderen Eindruck, den das Werk macht? Mit der hocharistokratischen Weltsicht des Autors, der souverän von oben nach unten schaut – wenn er überhaupt einmal nach unten schaut?

Sie können, wenn Sie an diesem Punkt tiefer einsteigen wollen, mit meiner Shakspere-Chronologie beginnen. Was wissen wir tatsächlich über William Shakspere aus Stratford-upon-Avon? In Buchseitenform hätte die Chronologie ca. 30 Seiten. Es ist die längste Seite im Internetbuch.


Die Unterseiten zum Kapitiel Biographie finden Sie in der rechten Spalte. Ich empfehle Ihnen aber, zunächst alle Contra-Punkte (1-10) zulesen. Sie sehen dann, wie sich eins ins andere fügt.

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