Bryson 4: Oxford schreibt für die Konkurrenz?

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Auch bleibt die Frage unbeantwortet, warum Oxford, Schirmherr einer eigenen Schauspielertruppe, den Earl of Oxford’s Men, seine besten Werke für die Konkurrenz, die Lord Chamberlain’s Men, schreiben sollte.

Ein Hochadeliger, der Stücke schreibt und dabei der weiteren Öffentlichkeit gegenüber auf Anonymität achten muss und überdies kein Geld mit dem Stück verdienen kann,  ein solcher Stückeschreiber steht nicht in Konkurrenz zu bürgerlichen Autoren und deren Truppen.

Ein Beispiel dafür ist Titus Andronicus. 1594 kommt es als (schlechtes) Quarto anonmy in den Druck – auf der Titelseite steht: das Stück wird hier gedruckt „as it was played“ von den Dienern der Earls of Derby, Pembroke und Sussex. Drei verschiedenen Truppen. Wir können darüber streiten, wie lange es vor 1594 schon auf den Bühnen gespielt wird. Oxford hatte engen Kontakt zu diesen drei Familien.

Nach der Gründung der Lord Chamberlain’s Men konzentriert er sich dann mehr auf diese Truppe, die vermutlich die beste in der Stadt war. Offensichtlich waren die Lord Chamberlain’s Men keine Konkurrenz für Oxford, sondern bevorzugte Truppe.

Dass er mit ihr eng verbunden war, zeigt ein kleines Detail in seiner Biographie (1599).

An Weihnachten besucht Robert Armin, der neue Komikerstar der Bühne, der für die Lord Chamberlain’s Men engagiert ist, den Earl in Hackney:

Dann am Dienstag fahre ich nach Hackney, um meinem Meister, dem Sehr Ehrenwerten guten Milord aufzuwarten, dem ich diene.

Kreiler, S. 485

Denn am folgenden Tag spielen die Lord Chamberlain’s Men vor der Königin.

Nach Armin dient also die Truppe nicht nur dem Lord Chamberlain selbst (jetzt: George Carey, Lord Hunsdon), sondern auch dem Earl of Oxford, dem Lord Great Chamberlain. Dieser ist zumindest zu diesem Zeitpunkt der Meister, mit dem der Schauspieler Rücksprache hält …


Meine Argumentation wurde angeregt von diesem Absatz von Thomas Regnier auf der Oxford-Fellowship-Seite, der sich mit Nelsons Contra-Oxford-Argumenten beschäftigt:

Finally, Nelson insists that Oxford couldn’t have been Shakespeare because Oxford, as owner of his own theater troupe, would never have let the Lord Chamberlain’s Men, a “rival” theater company, perform his plays. Nelson’s theory rests on the assumption that noblemen’s companies competed jealously against each other and never shared their works. Yet this assumption is brought into doubt by the title page of the 1594 First Quarto edition of Titus Andronicus. (Like all “Shakespeare” plays published before 1598, it is anonymous, i.e., no author is named on the title page.) The title page states that the play is “as it was played” by the servants of the Earls of Derby, Pembroke, and Sussex. This shows that various noblemen might have passed plays around from one to another rather than jealously guarding them. Historically, Oxford had strong ties to these other noble families—two of his daughters would later marry into the Derby and Pembroke families, and the Earl of Sussex was something of a mentor to Oxford. If the Earl of Oxford was indeed the author of Titus Andronicus, why wouldn’t he have shared his play with other noblemen?

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