Die Combes

Sie saßen im größten Haus der Kleinstadt Stratford, dem sog. College, waren wohl auch die Reichsten am Ort – und, wie es scheint, Shaksperes enge, vertraute Freunde. Ich würde allen Shakespeare-Interpreten empfehlen, sich einmal zu überlegen, welches Licht das auf ihren Autor wirft. Die Biographen mogeln sich mit ein paar Randbemerkungen über die Beziehung Shakspere-Combe hinweg, vor allem zu den jüngeren.

I. William Combe

1551 – 1613. U a. er macht die Familie reich. Er hatte Bildung (sprach oder las zumindest fließend Latein, auch Französisch), besaß Bücher, war vom Stand her Gentleman, versah das Amt eines High Sheriff of Warwickshire.

Von ihm kauft Shakspere 1602 die Pachtgüter, mit denen er zum landbesitzenden Edelmann wurde.

Seine Beziehungen zur Stadtregierung waren gut.

II. John Combe

vor 1561 – 1614, der Neffe von William Combe (Sen.). Er ist der Wucherer der Familie, ständig in Gerichtshändel verwickelt, mit denen er nicht zurückgezahlte Kredite und Zinsen einfordert.

Als er (unverheiratet) stirbt, vermacht er 5 Pfund (ein Viertel des Jahresgehalts des Vikars von Stratford) seinem guten Freund Shakspere.

60 Pfund investiert er zuvor in sein aufwändiges Grabmal in der Kirche von Stratford. Es steht bis heute dort, allerdings ohne die ursprüngliche Farbgestaltung.

Es soll – aber man muss sich fragen, ob das möglich ist – einen Spott- oder Scherz-Epitaph dran gewesen sein (der später weggemeißelt worden sei):

Ten in hundred must lie in his grave,

But a hundred to ten whether God will him have.

Who then must be interred in this tombe?

‚o‘, quoth the Devil, ‚My John a-Combe‘.

zit. in Edmondson/Wells, S. 153

Der Teufel wird also den Wucherer (der 10 auf 100 als Zins verlangt) holen! – Und Combe lacht dazu?

Zehn auf Hundert fuhr nun in die Gruf;
Hundert zu eins, daß Gott ihn nicht ruft.
Wenn jemand fragt, wer ruhet nun hier,
Spricht der Teufel: „John Combe, und der gehört mir.“

zitiert nach Sobran, S. 37

Es gibt mehrere zeitnahe Zeugen dafür, dass das der Text war. Sowas in einer Kirche, und der Vikar erlaubt es? Sowas auf dem Epitaph eines reichen, des vermutlich zu diesem Zeitpunkt reichsten Mannes der Stadt?

Das Gerücht geht, dass sein Freund William Shakspere diesen Spruch gedichtet habe; aber es gibt ähnliche Fassungen, bezogen auf andere Personen, schon früher, es wäre nur ein witziges Plagiat.

Der Bruder von John, Thomas Sen. (-1609), ist der Ko-Eigner der Zehnten, die William Shakspere sich 1605 kauft.

III. William Combe Jun.

1586 – ? – Sohn von William Combe Sen, Bruder von Thomas Combe (siehe IV).

Er ist derjenige, der (zusammen mit seinem Bruder) den Enclosure-Konflikt mit der Stadt und gegen die Stadt in Gang bringt und über Jahre hinweg hartnäckig und gewaltsam fortsetzt. Der die Widerstand leistenden verzweifelten Bürger (die viel dabei zu verlieren haben) als Puritanerknechte beschimpft.

Immerhin, ihm vererbt William Shakspere nichts. Aber seinem Bruder, der nicht minder heftig teilhat an dem städtischen Krieg.

IV. Thomas Combe Jun.

1589 – 1657, jüngerer Sohn von William Combe Sen.

Er nennt diejenigen, die dem Enclosure-Projekt der Combes Widerstand leisten, Hundesöhne, Köter (curs).

Shakspere selbst hat mit dem Projekt der Combes längst freundschaftliche Einigung gefunden, sich hinreichend kompensieren lassen für Einbußen, obgleich er auch der Meinung ist, dass am Ende nichts aus dem Versuch werden würde; er hat wohl den Widerstand und seine Aussichten richtig eingeschätzt. Shakspere mischt sich nicht ein, hält sich raus, verdirbt es sich nicht mit seinen Freunden.

Dass eine Enclosure die Stadtfinanzen und die kleinen Pächter der Stadt und der Umgebung schädigt, kümmert ihn wenig.

(Wells meint, Shakspere stehe da auf der Seite des Friedens …)

Dieser Thomas Combe bekommt nun via Testament das Schwert des Gentleman – ein nicht nur wertvolles, sondern auch persönliches Testat, das uns zeigt, wie eng, wie freundschaftlich Shakspere zu dem noch jungen Mann steht.

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