Die Sonette 11: Sie verschwinden rasch

Immerhin 13 Exemplare des Druckes von 1609 haben überlebt – erstaunlich viel.

Wieviele sind gedruckt worden? – 1000? Oder 500?

Einige Forscher stellen fest, dass sie rasch vom Markt waren – entweder rasch verkauft oder eventuell unterdrückt. (Einer von der Hohen Familie, etwa Southampton, könnte den Drucker und den Verleger gezwungen haben, den Verkauf einzustellen.) Spekulation. Wir wissen es nicht.

Zu einer zweiten Auflage kommt es nicht.

Uns fällt aber auf, dass die Sonette nicht ins First Folio aufgenommen wurden.

Warum nicht?

Ich vermute: Wegen ihres problematischen Inhalts. Sie waren moralisch ungeeignet. Eher eine Schande für den Autor.

Oder die Familie Shakspere/Hall hätte entschieden protestiert, wenn ihr verstorbener William Shakspere durch diese Sonette entehrt worden wäre. Man war schließlich gut puritanisch.

Moralische Schwierigkeiten hatte man dann auch später. Gern hat man die Sonette selektiv gedruckt, oder inhaltlich etwas entschärft.

In viktorianischer Zeit waren sie ein Problem. DAS soll unser nationaler Barde geschrieben haben?

Unsere heutigen Interpreten – die Anglisten – haben mit dem Moralischen eher kein Problem, jedenfalls nicht direkt. Indirekt aber schon. Die Sonette erweisen sich als inkompatibel mit dem Leben des Geschäftsmanns aus Stratford …


Share

Leave a reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *