Tiefer gefragt. – Fragen rund um den Autorschaftsstreit

Denken wir nach darüber, was im Rahmen dieses Streits um die Autorschaftsfrage im Hintergrund mitläuft. Über einige der Voraussetzungen, warum es zu diesem Streit kommt, und warum er so verläuft, wie wir es beobachten können.

Die einzelnen Essays ordne ich verschiedenen Themen zu. In der rechten Spalte sehen Sie sie.

Es werden viele Essays folgen. Gewiss auch einer über das Thema Verschwörungstheorien.

1

Wenn ich Goethe lese, begegne ich einem Werk – und seinem Schöpfer. Ich erlebe Goethe im Werk, der Autor ist immer dabei. Aufmerksam habe ich Biographien gelesen, damit er auch immer dabei sein kann.

Also frage ich nach der Biographie von William Shakespeare. Und werde enttäuscht: Teils gibt es keinen Bezug zum Werk, teils wird ein solcher Bezug herbeiphantasiert oder mit skurriler Argumentation behauptet. Auch die Stratfordianer geben zu: Der Mann hinter dem Werk bleibt (bei ihnen) auffallend blass.

Nun gibt es auch eine Einstellung zur Kunst, die allein das Kunstwerk gelten lässt und dazu rät, den Schöpfer zu ignorieren. Schau auf das Werk und vergiss den Autor! Das Werk allein zählt.

2

Dogma macht dumm

Wenn Literaturdogmatiker überzeugt wären, Thomas Mann hätte die Dreigroschenoper geschrieben, würden sie „deutliche Bezüge“ zwischen Thomas Mann und „seinem“ Werk entdecken. Denn es MÜSSTE sie ja geben, diese Bezüge.

3

Das Verfahren der Shakespeare-Biographen:

Es gilt von vorne herein: Shakespeare war und ist Shakespeare. Es gibt keine rationale Autorschaftsdebatte. Wer zweifelt, ist ein Depp. Betrachten wir uns die Strategie der Stratfordianer!

Resümee: Es ist Betrug am Leser. Mit Wissenschaft hat es nicht nur nichts zu tun – es ist peinlich anti-wissenschaftlich. Eine absichtsvolle, strategisch gesetzte Manipulation. Mit allen Mitteln, auch den der Wissenschaft nicht erlaubten, versucht man, dem Mann aus Stratford ein Dichterleben einzublasen.

4

Was ist Skepsis?

Skepsis ist nicht primär Skepsis gegenüber anderen, sondern gegenüber sich selbst. Gegenüber den eigenen Gewissheiten.

Angewandt auf Wissenschaft: Die Tugend des Wissenschaftlers ist er unermüdliche Zweifel. (Dazu gehört auch der Zweifel am Zweifel.) Der Wissenschaftler schätzt den Zweifel. Zweifel hält die Wissenschaft in Gang.

5

Wie gehe ich mit Unsicherheit um?

Ich lebe damit. Ich benenne die Möglichkeiten und ihre Wahrscheinlichkeiten. Ich halte die Bälle wie ein Jongleur in der Luft.

Dargestellt am Beispiel von Shaksperes – möglicher – Syhilis.


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