Hamlet

Über dieses Stück ist unter dem Gesichtspunkt der Autorschaftsfrage viel zu schreiben. Vorab ein wenig Chronologie:

Die Orthodoxie setzt das Meisterwerk Shakespeares für das Jahr 1601 an. Dafür sind keine textlichen Bezüge verantwortlich, sondern erstens das Erscheinen der beiden Quartos, des „schlechten“ (vergröbernden, stark kürzenden) 1603, des „guten“, sehr viel längeren und feineren 1604. Zweitens, weil es einigermaßen in die Mitte von Shaksperes Autorenleben passen würde.

Aber:

1589 schreibt Thomas Nashe, Autor von Pamphleten und Dramen, bissig von „ganzen Hamlets, ja Bündeln von tragischen Monologen„.

1594 verzeichnet William Henslowe in seinem Tagebuch die Aufführung von Hamlet.

1596 hat Thomas Lodge auf einer Bühne (auf der auch die Lord Chamberlain’s Men zu dieser Zeit aufgetreten sind) „den unheimlichen Geist, der im Theatre so jämmerlich wie ein Fischweib ‚Hamlet, Rache‘ schrie„, gesehen und gehört.

Was sagt die Orthodoxie dazu?

Sie macht es sich einfach. Sie nimmt einfach an, es habe ein anderes Stück mit diesem Titel gegeben, zugegebenermaßen ein ähnliches, und ihr William Shakespeare habe dieses Stück eines anderen als Vorlage für sein eigenes verwendet, samt Geist, Rache undsoweiter.

So etwas ist natürlich immer denkbar. Es wäre denkbar, dass ALLE Stücke Shakespeares Plagiate sind, geraubt von Shakespeare, geschickt umgeschrieben und dann unter seinem Namen auf die Bühne gebracht. Nur – ist das wahrscheinlich – oder ist es wenigstens plausibel?

Es läge serh viel näher anzunehmen, dass der Autor Hamlet in einer ersten Fassung wenigstens knapp vor 1589 geschrieben hat, und dass es damals auch mit Erfolg aufgeführt worden ist – der Grund der relativ vielen Erwähnungen.

Für die Orthodoxie bietet sich Thomas Kyd als Autor des „Ur-Hamlet“ an. Es ist eine bloße Spekulation.

Die Fassung des bad quarto von 1603 halten viele für eine Kombination aus dem (angeblichen) Ur-Hamlet und Shakespeares neu (?!) geschriebenen Stücks …

Spekulationen, die notwendig werden, weil es den Stratfordianern unmöglich ist, Hamlet schon in die späten 1580er Jahre zu setzen.

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