John Aubrey über Shakespeare. Plus Betterton

Er liefert etwa um 1680 das meiste Material. Allerlei „Erinnerungen“ von Leuten über den 1616 Gestorbenen.

Was ist also DARAUS zu machen?

Mr. William Shakespear. Wurde in Stratford-upon-Avon in der Grafschaft Warwickshire geboren; sein Vater war Metzger, & einige Nachbarn haben mir seinerzeit erzählt, daß er als Knabe den Beruf des Vaters ausgeübt habe, doch wenn er ein Kalb schlachtete, so tat er es stilvoll, & hielt dazu eine Rede.

Dieser Wm. neigte von Natur aus zum Dichten und theaterspielen, kam mit 18, schätze ich, nach London und war Schauspieler an einem Theater und spielte außergewöhnlch gut.

 

Er begann früh mit Versuchen in der dramatischen Dichtung, deren Niveau zu jener Zeit sehr niedrig war; und seine Stücke kamen gut an: Er war ein schmucker und ansehnlicher Mann: sehr guter Gesellschafter, mit Witz und rascher Auffassungsgabe.

Er pflegte einmal im Jahr in die heimatliche Grafschaft zu kommen. Ich glaube, man hat mir erzählt, daß er dort einer Schwester 200 oder 300 Pfund im Jahr hinterlassen habe.

Der Schauspieler William Beeston (Sohn eines Mitglieds der Lord Chamberlain’s Men) erzählt ihm etwas, das er wohl von seinem Vater gehört hat:

Um so mehr war er zu bewundern, weil er wenig in Gesellschaft ging; er lebte in Shoreditch, wollte von Besäufnissen nichts wissen, und wenn man ihn einlud zu schreiben, war er in Not.

Das müssen wir im Original zitieren, denn hier entbrennt eine interessante Kontroverse:

& if invited to writ; he was in paine.

& invited to, writ: he was in pain.

Die manipulierte zweite Version entspringt dem Bemühen, die Katastrophe der ersten Version zu verhindern.

Sagt Beeston, Shakspere hatte Mühe zu schreiben? So steht es eigentlich bei Aubrey, das ist die erste Version.

Oder sagt Beeston: Shakespeare habe sich mit einer Krankheit entschuldigt, wenn er zu einem Besäufnis eingeladen worden sei.

(Die Ward-Anekdote vom Besäufnis Shakespeare-Drayton-Jonson stünde dazu in Widerspruch. Aber das wäre hier nicht der Punkt. Wie kommt Beeston zu seiner Behauptung, Shakspere „was in paine„, wenn’s ans Schreiben ging? Für Beeston war Shakspere jedenfalls kein Autor, sondern Schauspieler.)

Zu Aubreys Beiträgen gehört auch die Davenant-Story. Der möchte ich eine eigene Seite widmen.


Da es hierher passt, füge ich die noch spätere Aussage von Thomas Betterton an. Der Schauspieler ist eigens nach Stratford gefahren, um so viel wie möglich über Shakespeares Leben zu erfahren. Viel hat er nicht herausbekommen. Aber das:

Er war, wie es jungen Leuten oft genug ergeht, in schlechte Gesellschaft geraten; und darunter waren einige, die öfter Wild stahlen und ihn dazu anstifteten, mit ihnen mehr als einmal einen Park zu berauben, der dem Sir Thomas Lucy von Charlecote gehörte, in der Nähe von Stratford. Dafür wurde er von jenem Herrn bestraft, nach seiner Meinung zu hart; und um sich dafür zu rächen, machte er eine Ballade auf ihn. Und obwohl diese, vermutlich die erste Probe seiner Dichtung, verloren ist, sagt man doch, sie sei so scharf ausgefallen, daß er danach derart verfolgt wurde, daß er gezwungen war, Geschäft und Familie in Warwickshire zu verlassen und für eine Zeitlang Zuflucht in London zu suchen.


Wo Rauch ist, da ist auch Feuer? – Es gibt Shakespeare-Biographen, die fast alles, was hier zitiert wurde, für mehr oder weniger wahr halten oder jedenfalls für nahe an der Wahrheit. Andere picken sich lieber das eine oder andere, das ihnen passt, heraus. Wieder andere lassen diese Geschichten auf sich beruhen – sie sind allesamt einfach zu unverlässlich, man kann nicht sagen, was da eventuell eine sachlich zutreffende Information enthält.

 

Share

Leave a reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *