John Bensons Fragezeichen

1639 lässt sich der Verleger John Benson die Neuherausgabe der Shakespeareschen Sonette genehmigen. 1640 werden sie gedruckt, allerdings in anderer Zusammenstellung und mit mancherlei Änderungen gegenüber der Ausgabe von Thorpe 1609.

Auf zweifache Weise setzt John Benson Fragezeichen bezüglich der wahren Autorschaft.

Er setzt ein anderes Portrait als Frontispiz voran. Es orientiert sich an Droeshouts absichtlich verzerrenden Kupferstich, lässt den Mann nun nach links blicken (warum diese Richtungsänderung?) und gibt ihm ein aristokratisches Aussehen, vor allem mit der Kleidung.

Der Portrait-Attrappe von Droeshout setzt er also eine neue Atrappe entgegen.

Und der greift Ben Jonsons poetische Bemerkung zum ersten Portrait auf:

This shadow is ronowned Shakespear’s? Soule of the age
The applause? delight? the wonder of the Stage.

Nicht alles daran ist deutlich, aber eins doch: John Benson zweifelt an der Identität des Stratforder Shakespeare (wie ihn das First Folio – wie zweideutig auch immer – nahelegt, mit dem Autor, und regt an, die wahre Identität in der Welt der Aristokraten zu suchen.

Schoenbaum erwähnt John Benson und seine Fragezeichen nicht in seiner dokumentarischen Biographie. Vielleicht in Shakespeare’s Lives? – Ich werde nachsehen.

Edmondson/Wells ignorieren die Sache sowieso. Alle wesentlichen Argumente contra Stratford interessieren sie nicht. Das Benson-Argument dürfte einer der stärkeren Zweifelsgründe sein.

Auf jeden Fall ist es eine Widerlegung der Behauptung, die Geschichte des Zweifels beginne erst mit Celia Bacon Mitte des 19. Jahrhunderts.

Was könnten die Stratfordianer hier einwenden? – Dass dieser John Benson ein unzuverlässiger Geselle sei, der die Sonette übel traktiert habe … Geschenkt. Was hat das mit den Fragezeichen zu tun? Offensichtlich HAT der Mann Zweifel an der Autorschaft des Stratforders. Offensichtlich deutet er vorsichtig in eine andere Richtung.

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