Kann er schreiben?

Wahrscheinlich nicht.

1

Betrachten wir die Unterschriften: Sie sind gekrakelt. Typisch für jemanden, der eigentlich nicht schreiben kann und darum normalerweise mit einem Kreuz unterzeichnet, aber des Prestiges wegen sich dann doch an einer Unterschrift versucht. Die entsprechend ungelenk ausfällt.

(Man könnte die im Vergleich zu seinen angeblichen Dichterkollegen eher peinlich unschön ausfallenden Unterschriften auch durch Krankheit verursacht sehen. Die erste stammt aus dem Jahre 1612 – Shaxpe oder so ähnlich. Ich will die Möglichkeit einer Krankheitsursache nicht ausschließen.)

2

Shakspere hat in den zwei Jahren Vorschule gewiss etwas schreiben gelernt; sollte er die grammar school vier oder fünf Jahre lang besucht haben, müsste er flott schreiben gelernt haben; sollte er sie vielleicht nur das erste Jahr besucht haben, könnte es sein, dass er mit dem Schreiben nicht weit gekommen ist. (Die Finanzkrise seines Vaters hat diesen vermutlich gezwungen, seinen Sohn aus der Schule zu nehmen, um ihn in der Firma arbeiten zu lassen..

3

Viele konnten damals in England lesen, aber nicht schreiben. Das gilt auch für Schauspieler. Allerdings, die meisten von ihnen konnten auch schreiben.

4

Immerhin 20% der männlichen Erwachsenen in Stratford sollen damals nicht nur lesen, sondern auch schreiben können.

5

Für seine geschäftlichen Tätigkeiten kann sich der relativ reiche Shakspere einen Schreiber engagiert haben.

6

Seine Töchter hat Shakspere nicht lesen und schreiben lernen lassen. Auch Susanna nicht – sie konnte nach dem Tod ihres Mannes, als jemand dessen medizinische Aufzeichnungen zur Hand nahm, nicht einmal die Handschrift ihres Mannes identifizieren. Sie konnte immerhin wie ihr Vater ihre Unterschrift aufs Papier krakeln. Tochter Judith hat immer nur ein Kreuz angebracht.

Shakspere/Shakespeare als Autor hätte unbedingt seinen Töchtern das Lesen und Schreiben beibringen lassen. Wer die Frauenrollen im Werk studiert, wird sich nicht damit zufrieden geben, was Stratfordianer hierzu verlegen anmerken: Es sei damals eben nicht üblich gewesen, dass Frauen lesen und schreiben lernen. Zweifellos, aber wir sprechen nicht generell über die damalige Gesellschaft, sondern über die Person des Autors. Es war damals auch nicht üblich, den Frauen die Stellung einzuräumen, die Shakespeare den Frauen in seinen Werken zugesteht.

7

Es ist nichts Schriftliches von Shakspere überliefert. Kein Brief, nichts. Auch kein Buch mit seinem Namen darin. Der einzige Text, den wir direkt von ihm haben, ist das – diktierte – Testament.

 

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