Name – Fortsetzung

Betrachten wir die offiziellen Familien-Eintragungen im Kirchenbuch und andere Dokumente direkt aus Stratford: Sie beginnen 1558 mit „Jone Shakspere, daughter of John Shakspere„, führen über „Gulielmus Filius Johannes Shakspere“ 1564 (Geburt unseres William Shakspere) bis zu drei Eintragungen bezüglich der Tochter Judith 1616 und 1617: Shakspere, Shaksper und Shakspere.
Kein einziges Mal heißt es: Shakespeare. (Siehe dazu die Liste in Shahan/Waugh Seite 27/28!)

Nur Williams Bruder Edmund – Schauspieler – wurde als Shakespeare begraben – in London 1607.

In London wird unser Shakspere meistens Shakespeare geschrieben. Etwa 1595, als drei Theatermanager von der Krone 20 Pfund erhalten; einer von ihnen: Shakespeare. Oder 1612 im Bellot-Mountjoy-Fall, in dem Shakspere als Zeuge aussagt.
Als Shakspere das Zeugendokument selbst unterschreibt, kommt es zu einer ungelenken Unterschrift, die ungefähr die Buchstaben Shakp oder Shaxp lesen lässt. Hier führt der Geschäftsmann aus Stratford – wohl noch gesund? – vor, dass er nicht über keine (für gebildete Personen, aber auch für Schauspieler übliche) deutliche Handschrift verfügt. So, wie diese Unterschrift aussieht, unterschreibt hier einer, der grade mal seinen Namen hinkrakeln kann, und nichts anderes. (Für seine Geschäftskorrespondenz hält sich der reiche Shakspere wohl einen Schreiber.)

Andererseits:

Der Name Shakespeare taucht erstmals auf in der Widmung an den Earl of Southampton (für „Venus und Adonis„). Und bleibt von da an bemerkenswert konsistent. Wann immer auf einem Quarto oder Octavo der Name des Autors steht, steht dort: Shakespeare (19x) oder Shake-speare (15x). Auch auf dem Sonett-Band. Die Ausnahmen: Shak-speare (mit Bindestrich – 2x), Shakespere (3x). Also niemals Shakspere, wie in Stratford üblich und wie es den sechs Unterschriften entspräche.

Warum ignorieren die Shakespeare-Biographen den Unterschied zwischen Londoner und Stratforder Schreibweise systematisch und kategorisch?

Darauf angesprochen, heben sie die Augen zur Decke und behaupten, mein Gott, damals sei die Schreibweise doch kunterbunt durcheinander gegangen und eben nicht festgelegt gewesen.

Das ist offensichtlich nicht ganz richtig, wie die relative Konsistenz der Schreibung zeigt.

Zumindest hinweisen sollten die Shakespeare-Anglisten und Biographen auf die Differenz. Sie tun das nicht – aus Angst. Sie befürchten, die Lesen könnten Zweifel entwickeln.

Das geht so weit, dass sie glatt fälschen.

Beispiel David Kathman:

„Quiney’s son Thomas eventually married Shakespeare’s daughter Judith and they named their first son, born in 1617, ‚Shakespeare‘.

(in: Stanley Wells, Shakespeare Beyond Doubt, p. 125.)

Shahan (S. 13) dazu:

Erstens ist dieser Thomas nicht 1617, sondern 1616 geboren, aber schon 1617 gestorben.

Zweitens wurde er als Shaksper fillius Thomas Quyny getauft.

Drittens wurde er als Shakspere fillius Thomas Quyny begraben.

Warum schwindelt uns Kathman den Namen „Shakespeare“ vor?


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