Nelson 9: Kein Oxford in Hamlet

Von wegen Hamlet als Stück, in dem Oxfords Leben repräsentiert wäre! Oxfords Vater wurde nicht ermordet, seine Mutter hat nicht gleich danach geheiratet, sondern erst nach Ablauf des üblichen Trauerjahrs, etc. pp! – Die behaupteten Ähnlichkeiten sind sowohl ungenau als auch oberflächlich.

 

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8 thoughts on “Nelson 9: Kein Oxford in Hamlet”

  1. Danke für diesen Link.
    Ich bin gleich eingetaucht in diese Welt …
    Ab Januar 2020 werden meine Oxford-Seiten entwickelt werden – im Moment gibt es nur einen bescheidenen Einstieg.
    Seit einigen Monaten beschäftigt mich eine andere Frage total: Wie killt man eine Demokratie? – Ich bin dabei, möglichst alles dazu zu lesen, was einschlägig ist. Diese etwas obsessive Phase wird wohl im November ihren Abschluss finden. Dann kann ich zu Shakespeare zurückkehren.

  2. Zu Ihrer Frage habe ich keine Beweise zu bieten, aber vielleicht Indizien: Das sogenannte gute Quarto von 1604 ist von Oxfords „Leibdrucker“ James Roberts gedruckt worden und es ist sein Vermächtnis, denn im selben Jahr ist de Vere gestorben. Ich halte es nicht für einen Zufall, dass gerade Hamlet dieses Stück ist, zuviel von ihm, dem Autor selbst, ist in diesem Stück zu finden. Er bittet Horatio mit seinen letzten Worten seinen beschmutzten Namen, sein Schicksal für die Nachwelt zu bewahren. (Horace de Vere, Oxfords Vetter, stand seinem Verwandten ähnlich nahe, wie Horatio Hamlet, auch da Parallelen.) Es ist, da stimme ich mit Ihnen überein, eine Lesefassung. Das ergibt sich durch den Vergleich mit dem sogenannten schlechten Quarto von 1603 – diese Fassung ist eine nahezu perfekte Bühnenversion. Fest steht, dass Hamlet in Cambridge und Oxford an den Universitäten gespielt worden ist und dass Henslow einen Eintrag im Jahre 1594 verzeichnet hat. Nashe bezieht sich mit einem Zitat auf das Stück im Jahre 1589. Meine Theorie dazu: 1588 starb Anne Cecil, England besiegt die spanische Armada, aber Oxford scheitert mit seinen Ambitionen, ein Kriegsheld zu werden. Auch Dudley stirbt bald darauf und Maria Stuart wird verurteilt und hingerichtet. Elisabeth ist erschüttert, von Schuldgefühlen gepeinigt und trauert, Oxford ebenfalls. Hamlet ist das logische Ergebnis. Ob aber tatsächlich am Hof gespielt, da habe ich meine Zweifel, dazu war es zu brisant, und Burgley lebte noch bis 1598! Das Publikum im Globe, Swan oder damals noch im Theater und Curtain ist meiner Meinung nach nicht Oxfords primäres Publikum gewesen. Dass seine Schauspieler nach den Aufführungen am Hof oder an den Universitäten die Stücke auch in den öffentlichen Theatern gespielt haben und damit Geld verdient haben (Henslow, Burbage und ihre Truppen, nicht der Autor Shakespeare!) war ihm wohl recht. Sonst hätte er ja nicht angefangen, im Jahre 1598 die Stücke herauszugeben in überarbeiteter Form.

  3. Eine intensive Beschäftigung mit Hamlet steht mir noch bevor.

    Vorab eine Frage: Ließe sich am Stück erkennen, dass es eher für den Hof bzw. fürs aristokratische Publikum geschrieben wurde als für die Globe-Gänger?
    Überhaupt: Wie ließe sich so eine Frage entscheiden? Welche Kriterien würde man dafür ansetzen?

    Offensichtlich ist, dass Hamlet auch – vielleicht sogar primär? – ein Lesedrama ist. Es ist doppelt so lang wie eine Bühnenaufführung maximal sein konnte, und es gibt verstümmelte Versionen, offensichtlich solche, die für die Bühne – inkompetent? – gekürzt worden sind.

    Wenn dieses Stück nun (primär) für ein elitäres Publikum geschrieben worden wäre, sähe ich Parallelen zu den Sonnetten. Die sind gewiss nur an einen kleinen, intimen und elitären Kreis adressiert worden – und (ausdrücklich!) an die Nachwelt. Sie sind wie Hamlet autobiographisch motiviert.

    Bei all meiner Lektüre (die erst im nächsten Jahr einigermaßen vollständig werden wird) bin ich noch auf keine Analyse gestoßen, die mir meine Frage (geschrieben für WELCHES Publikum?) beantworten könnte – auch nicht in den speziellen Büchern, deren Titel es eigentlich erwarten ließen (ein Buch über das Hoftheater habe ich daraufhin durchgesehen).

    Sobald ich dazu komme (wahrscheinlich Anfang 2020) werde ich besonders darauf achten, wie in den Hamlet-Ausgaben und Essays und Büchern über Hamlet die Rolle des Polonius interpretiert wird – ob die Bardologen wenigstens ERWÄHNEN, dass es da einen Bezug zur Biographie des Earl of Oxford gibt. Denn DIESER EINE Bezug ist dermaßen deutlich, dass man ihn als anständiger Interpret nicht übergehen DARF.

  4. Alan Nelson weiß, warum er gerade Hamlet so flappsig abtun muss – natürlich ist es Shake-speares autobiographischstes Stück. Nehmen wir die Personage: Oxfords leibliche Mutter hat ihren zweiten Mann innerhalb von drei Monaten nach dem Tod von John de Vere geheiratet. Gertrud ist aber gleichzeitig die Mutter aller Engländer, Elisabeth, die einen höchst intriganten Mann liebt, dem der Mord an seiner Frau nachgesagt wird, um an den Thron zu kommen – der liebste Todfeind von Oxford, Robert Dudley, Earl of Leicester. William Cecil, Lord Burghley wird schon lange, auch aus orthodoxer Sicht, für das gar nicht schmeichelhafte Vorbild von Polonius gehalten – Stichwort Fischhändler, Reichstag von Worms, Stichwort Corambis und die Verhaltensregeln für seinen Sohn. Burghleys Tochter Anne wird von ihm in ganz jungen Jahren verheiratet – mit dem Earl of Oxford. Diese Ehe war nicht glücklich in den Anfangsjahren und Anne eine Griseldis in der Erduldung diverser Probleme mit ihrem feuerköpfigen Jungehemann. Es gibt ihren Bruder Thomas, der von Burghley nach Paris geschickt worden ist. (wie Laertes) Damit haben wir die gesamte Konstellation. Hamlets Buch ist Cardanus Comforts „Der Hofmann“, das dem Earl von Oxford gewidmet war und für das er das Vorwort geschrieben hat. Peregrin Bertie, Oxfords Schwager, war Botschafter am Hof von Helsingör. Rosenkranz und Güldenstern sind tatsächliche dänische Adelsgeschlechter, deren Mitglieder nachweislich am englischen Hof zu Besuch waren. Selbst die Piratengeschichte ist autobiographisch. Dabei sind wir noch gar nicht beim Inhalt, bei den Schauspielern, den Knabentruppen – die Oxford boys – , der Totengräberszene, dem Lied der wahnsinnigen Ophelia, ect. – viel davon kann man bei Kurt Kreiler nachlesen.

  5. Es ist ja nun völlig naiv zu erwarten, das sich ein Biographischer Bezug in der Literatur derart platt niederschlägt (1:1). Das passiert doch fast nie. Aber der Hamlet kann sehr wohl beeinflusst worden sein von der eigenen Erfahrung des frühen Todes des Vaters und dem Eindruck eines Stiefvaters. Freud freut sich.

  6. Ich bitte um Geduld.

    Es freut mich und ist auf jeden Fall eine konstruktive Sache, dass Sie mir viele einschlägige Links schicken. Aber ich kann sie nur nach und nach anhören. Pro Tag wende ich zwei oder drei Stunden für mein Projekt auf, und die gehören teils dem Lesen (ich habe ein rigoroses Leseprogramm, dass Sie sich ansehen können, wenn Sie auf Bücher klicken), teils dem Einarbeiten am Computer. Und natürlich auch dem Antworten im Forum. Das Internet kommt dran, wenn ich mal den größeren Teil meines Lektüreprogramms geschafft habe. Das dauert noch. Ich freue mich aber schon darauf, vor allem die Seite Oxfraud angehen zu können.

    Und auf Marlowe haben Sie mir zweifellos Appetit gemacht. Ich verspreche Ihnen, dass ich in dieses Thema einsteigen werde. Aber es ist im Moment noch nicht dran.

    Siehe auch meine Antwort im Vorwort-Forum.

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