Oxford-Bio 1584 – 1588: halbes Comeback

1584

Tochter Bridget (-1630/31) geboren.

Oxford hat inzwischen fast alles Land in seinem Besitz verkauft – damit auch seine wichtigste Einkommensquelle. Die Schulden an den Court of Wards bestehen weiter.

Im November reitet Oxford sein letztes Turnier.

Oxford’s Men treten weiter am Hof auf, gehen auch auf Tournee. Auch Oxfords company of boy players ist all die Jahre weiter aktiv. Oft wird im Blackfriars Theatre gespielt. Oxford ist auch Patron einer Musikkapelle. Greene bezeichnet Oxford in einer Widmung als „pre-eminent writer“.

Lord Burghley schreibt seinem nun 21jährigen hochbegabten Sohn Robert Cecil (1563-1612) seinen berühmt gewordenen Katalog von Verhaltensregeln – der wenig später von Oxford im Hamlet karikiert werden wird. In einigen der Regeln schwingt Burghleys Kritik am Lebensstil und Verhalten von Oxford mit. Oxfords Verhältnis zu Burghley – der ihm nach wie vor als Schwiegervater zu Hilfe kommt – ist ambivalent. Oxford versucht, sich seine Freiheit ihm gegenüber zu bewahren. Er diene nicht Burghley –

I serve her Majesty, and I am that I am, and by alliance near to your Lordship, but free …

zit. bei Kreiler, 311

Im Sonett 121 wird es bald heißen:

Was sollen Anderer kalte Fälscheraugen
mich richten wollen, die sie kühl verneint?
Was sollen Schwächre meine Schwächen schauen,
um das zu lästern, was mir gut erscheint?
Nein: ich bin, der ich bin, und diese fade
Meute soll die eigne Blöße decken.

zit. bei Kreiler, 311

In diesem Jahr stirbt der Herzog von Alencon. Im selben Jahr wird der große Führer der Niederländer, Prinz Wilhelm von Oranien, ermordet. England muss nur selber Truppen in die Niederlande gegen Spanien schicken, will man verhindern, dass Habsburg gewinnt. Oxford bewirbt sich um ein führendes Offizierskommando.

1585

Die Queen ernennt Oxford zum Kommandanten der 2000 Mann starken Kavallerie. Am 27. August landet er in Vlissingen. Im September folgen 4000 Mann Fußtruppen. Mit ihnen wird der Earl of Leicester Oberbefehlshaber – und unter diesem will Oxford nicht dienen. Am 21. Oktober kehrt Oxford wieder nach England zurück. Sein Stolz hat es ihm verboten, sich dem eben erst gemachten Earl unterzuordnen.

Im April ereilt Oxfords Freund Philipp Howard Earl of Arundel die Katastrophe: Als treuer Katholik hat er versucht, nach Frankreich zu fliehen. Er wird gefasst und in den Tower gesperrt – wo er 11 Jahre landals Hochverräter bleiben wird. 1595 wird er dort sterben – möglicherweise an Gift.

Thomas Vavasour, wohl der Bruder der von Oxford verführten und geschändeten Ann Vavasour, wirft Oxford den Fehdehandschuh vor die Füße und fordert ihn zu einem Duell (zu dem es aber nicht kommt). Bemerkenswert ist der rüde Ton, den sich Thomas Vavasour erlauben kann, weil Oxford inzwischen zu viele Feinde und eine zu schwache Stellung am Hof hat, um sich dagegen erfolgreich verteidigen zu können.

Wäre dein Körper ebenso verunstaltet , wie dein Sinn unehrenhaft ist, so wäre mein Haus noch unbefleckt und du selbst bliebest mit deiner Feigheit unbekannt. Ich sage das, weil ich fürchte, du bist so eng an diesen deinen Schatten gekettet, daß nichts deine niederträchtigen und schläfrigen Lebensgeister zwingen kann, aufzuwachen. Hast du an deinen Opfern noch nicht genügend Rache genommen, sondern willst du fernerhin unwürdige Werkzeuge benutzen, um meinen unwilligen Geist zu reizen: Oder füchtest du dich, und hast du deshalb deine elenden Verwandten vorgeschickt, die, da du nichts mehr zum Erben übrig gelassen hast, du also nur in deine schändlichen Streitereien treibst? Wenn es so ist (was ich sehr bezweifle), dann bleibe selbst zu Hause und schicke mir Beschimpfungen; aber wenn noch ein Funken Ehre in dir ist oder ein Jota Rücksicht auf deinen zugrunde gerichteten Ruf, dann benutze nicht deine Geburt als Ausrede, denn ich bin ein Edelmann, sondern triff mich allein, und dein Lakai soll dein Pferd halten. Die Waffen überlasse ich deiner Wahl, da ich der Herausforderer bin, und der Ort soll von uns beiden bei unserem Treffen festgelegt werden, was, so denke ich, in Nunnington oder anderswo stattfinden kann. Du wirst mir Nachricht durch diesen Überbringer geben, durch den ich eine Antwort erwarte. Tho. Vavasour

zit. bei Sobran, 155

Wer ist der Schatten, an den Oxford „gekettet“ sei? Warum findet das Duell nicht statt? Wie tief muss Oxford gesunken sein, so grob mit „du“ angeredet zu werden – er, der höchstrangige Aristokrat Englands (nach der Queen)?

Er, der immerhin den nach der Queen mächtigsten Mann des Königreichs als Schwiegervater hinter sich hat?

Burghleys Verhältnis zu Oxford ist manchmal schwierig, aber überwiegend freundlich, oft väterlich. Ohne den Schwiegervater wäre der Schwiegersohn wohl verloren.

Aber der alte Burghley wird auch gelegentlich übergriffig. In einem Brief aus dem Jahre 1584 wehrt sich Oxford vehement:

Aber ich bitte Euch, Mylord, laßt ab von diesem Weg, denn ich bin nicht gewillt, Euer Mündel oder Euer Kind zu sein. Ich diene Ihrer Majestät, und ich bin, der ich bin, und durch Heirat Ew. Lordschaft nahe, aber frei, und ich verwehre mich durch solche Kränkung, zu meinen, ich sei so schwach an Herrschaft, daß meine Diener mich regierten, oder nicht fähig, selbst zu herrschen.

zit. bei Sobran, 156

Oxford ist und bleibt von Burghley abhängig. Er hat die Erziehung der drei Töchter übernommen, war immer wieder ärgerlich wegen der schändlichen Behandlung seiner eigenen Tochter (in diesem Punkt wird er inzwischen versöhnt sein), schüttelt den Kopf über Oxfords Umgang mit seinem Vermögen – und wird die Theater-Obsession seines Schwiegersohns für schimpflich gehalten haben. Theater fürs Volk – das ist der Abstieg hinunter zum Pöbel, nichts für einen Mann des Hofes und einen Grafen. Andererseits schätzt Burghley wohl das Unterhaltungstalent und den glänzenden Geist des Jüngeren, mit denen er die Queen, die Welt des Hofs und der Aristokratie beeindruckt.

1586

Juni: Die Queen gewährt Oxford nun jährlich 1000 Pfund (das entspricht mindestens einer halben Million Euro heute) ohne weitere Angaben bezüglich des Zwecks. Sie werden bis zu seinem Tod ausgezahlt. Es ist anzunehmen, dass der Dienst, den Oxford ihr leistet, im Bereich der Hofunterhaltung, vor allem auch mit anspruchsvollen Theaterstücken besteht. Die Queen weiß gute Literatur nicht nur in Form von Lyrik zu schätzen.

(Nur der Master of the Post, der damit das Postwesen Englands unterhalten musste, bekam mehr als diese 1000 Pfund.)

1662 (!) schreibt der Vikar von Stratford, Dr. John Ward, in sein Tagebuch: William Shakspeare (! – er meint den Bürger von Stratford) habe die Bühne jährlich mit zwei Stücken versorgt und dafür so viel Geld bekommen, dass er jährlich 1000 Pfund ausgeben konnte.

Oxford ist einigermaßen pleite, er hätte gern von der Queen ein einträgliches Amt bekommen, aber damit wird es bis zu seinem Lebensende nichts. Es bleibt bei den 1000 Pfund jährlicher Pension, zahlbar in vier Raten.

Anzunehmen, dass ihn die Queen damit beauftragt, nun historische Dramen zur englischen Geschichte zu liefern.

In diesen Jahren werden Midsummer Night’s Dream und (ca. 1586/87?) eine frühe Fassung von Hamlet aufgeführt. Diese Tragödie bezieht sich explizit auf den in dieser Zeit ausgetragenen Theaterstreit.

August: Der für die Queen lebensgefährliche Babington-Plot wird entdeckt, Maria Stuart ist darin verwickelt, hat zur Ermordung der Queen angestiftet. Maria Stuart wird O gehört zu den Peers, die bei der Verurteilung von Queen Mary dabei sind.

Oktober: In Fotheringhay tagt das Gericht, das über Maria Stuarts Schicksal bestimmen soll. Oxford ist einer der 42 Richter. Die Empfehlung an die Queen lautet: Hinrichtung.

Angel Day widmet Oxford sein Buch „The English Secretary„, das erste moderne Brief-Manual in Englisch. Von Beginn an sei Oxford den Musen geheiligt gewesen.

William Webbe schreibt in seinem Discourse of English Poetry:

I may not omit the deserved commendations of many honourable and noble Lords and gentlemen in her Majesty’s court which in the rare devices of poetry have been and yet are most excellent skilful, among whom the right honourable Earl of Oxford may challenge to himself the title of the most excellent among the rest.

Oxford gilt ihm also als der beste der Hofpoeten.

1587

Februar: Die Queen unterschreibt das Todesurteil; Maria Stuart wird eine Woche danach geköpft. Das Volk jubelt. Oxford bewirbt sich um ein Geschenk: die Güter eines der Anhänger der Verschwörung fallen tatsächlich an ihn.

Die Kriegsgefahr spitzt sich zu. Spanien – auch vom Papst dazu aufgefordert – versammelt die Armada für eine Invasion Englands. Oxford rüstet auf eigene Kosten ein Schiff aus – die Edward Bonaventore.

Mai: Tochter Susan geboren (-1629)

1588

Januar: Die spanische Flotte ist zum Auslaufen bereit. Die englische Flotte ist bereit, sie zu empfangen: ca. 34 neue wendige Kriegsschiffe, dazu 106 zu Kriegsschiffen umgewandelte Kaper- und Handelsschiffe, ca. 15.000 Mann Besatzung.

Mai/Juni: Die spanische Flotte läuft aus, 130 Schiffe, darunter 64 riesige Galeonen und Galeotten, insgesamt ca. 30.000 Mann. Die Armada gerät in einen Sturm, der sie zwingt sich neu zu arrangieren.

5. Juni: Oxfords Frau Anne stirbt am Hof der Queen an einem Fieber, 31 Jahre alt. Oxford ist bei ihrer Beerdigung nicht dabei – zu sehr beschäftigt in der Flotte.

Juli: Eine englische Teilflotte steuert Richtung Armada, um sie zu überraschen, scheitert aber am Wetter und muss umkehren. Oxford gehört zu denen, die dabei sind. Die Armada nimmt ihre Fahrt wieder auf, erreicht am 20. Juli die Höhe von Plymouth, könnte landen, landet aber nicht, sondern fährt weiter nach Calais und Gravelingen, ankert dort.

Das ist der entscheidende Fehler. Mit dem Glück des Wetters, mit der besseren Strategie, mit dem größeren Seemannsgeschick überrascht die englische Flotte die spanische am 29. Juli und bereitet ihr eine jämmerliche Niederlage. Der Rest flieht nach Nordwesten und kämpft sich die Küsten von Schottland und Irland entlang zurück in die Heimat.

Wo ist Ende Juli Oxford? Sein Versuch, eine kämpferische Rolle zu bekommen, scheitert – vermutlich an seiner eigenen Unrast und an der Abneigung des Earl of Leicester.

4. September: Der Earl of Leicester – der wichtigste Günstling der Queen – stirbt.

Fisher’s Folly verkauft.


 

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