Pro Stratford

Betrachten wir die Sache einmal andersherum. Stellen wir uns auf den Standpunkt der Stratfordianer.

Wie ließe sich – in Kürze und aufs Wesentliche konzentriert – ihr Shakespeare verteidigen?


Auf dem Folio und auf den Quartos steht der Name des Autors: Shakespeare. Also hieß und heißt bis heute der Autor Shakespeare. Davon kann man einfach mal ausgehen. Dieser Shakespeare war nun auch noch Schauspieler und Theaterunternehmer der Lord Chamberlain’s und dann der King’s Men, hat auch insofern direkt mit der Verwertung der Werke zu tun. Vor allem: Das First Folio benennt den Stratforder unmissverständlich als Autor.

Was die Zweifel angeht, so lassen sich in jedem Fall Erklärungen finden, die sie ausräumen.

  • Es gibt nun mal glückliche und unglückliche Zufälle bei der Überlieferung.
  • Das Leben eines Menschen kann außerdem widersprüchlich verlaufen.
  • Auch ein Mann aus einer bildungsfernen Familie kann zu genialer Bildung kommen.
  • Auch ein genialer Autor kann ein tüchtiger und erfolgreicher Geschäftsmann sein.
  • Und es ist immer möglich, dass das Werk gegenüber der Biographie ein Eigenleben entfaltet, das uns überrascht.
  • Schließlich kann es sein, dass wir auch einmal in einer Frage vor einem Rätsel stehen; das spricht nicht gegen die Autorschaft.

Gibt es eine plausible Alternative zu William Shakespeare aus Stratford-upon-Avon? – Nein. Alle vorgeschlagenen Kandidaten lassen sich mit guten Gründen zurückweisen, auch der Earl of Oxford kann der Autor nicht gewesen sein. Es bleibt nur der Mann aus Stratford.

Unter den professionellen Shakespeare-Forschern herrscht darum praktisch Konsens. Es gibt keinen vernünftigen Zweifel daran, dass William Shakespeare aus Stratford-upon-Avon Shakespeare der Autor war.

Wir „Stratfordianer“ sind uns nicht immer einig. Oft widersprechen sich unsere den Autor betreffenden Annahmen – durchaus so, wie es unter Wissenschaftlern üblich ist. Wir müssen aber auch zugeben, dass sich unser Bedürfnis nach einem lebendig vorstellbaren Autor gelegentlich verselbständigt, dass wir also Möglichkeiten zu schnell zu Wahrscheinlichkeiten und Wahrscheinlichkeiten zu schnell zu Gewissheiten verdichten.

Interessanter als die Gründe, die die Zweifler gegen das Offensichtliche vorbringen, sind die Gründe, die die Zweifler auf ihre Zweifel bringen, die Gründe, die sie dann hartnäckig an diesen Zweifeln festhalten lassen – entgegen allen sachlichen Widerlegungen der Wissenschaft. Man kann immer davon ausgehen, dass bei Verschwörungstheoretikern etwas grundsätzlich schief läuft, was ihre Logik und ihre Motivation und ihre Umsicht betrifft.


Habe ich damit den Standpunkt der Stratfordianer optimal formuliert?

Es wäre konstruktiv und wissenschaftlich seriös, wenn die Stratfordianer immer erst einmal einen ähnlichen Versuch machen würden, die Argumente ihrer Gegner so stark und plausibel wie möglich darzustellen – und erst DANN zu versuchen, sie zu widerlegen.

Auf einigen Unterseiten werde ich die „orthodoxe Argumentation“ der Stratfordianer weiter differenzieren (rechte Spalte unten). Die Antworten darauf kommen auf den folgenden Contra-Stratford-Seiten, die Sie in der rechten Spalte oben ansteuern können. Die Reihenfolge, in der Sie sie lesen, ist egal; ich empfehle Ihnen aber, zunächst nicht auf die jeweiligen Unterseiten zu gehen, sondern auf der oberen Ebene zu bleiben. Sie werden ca. 45 Minuten brauchen, um diese weiteren 12 Seiten zu lesen.

Share

Leave a reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *