Pseudonym: Argumente dagegen

Kurz gesagt:

1. Es ist doch unmöglich, undenkbar, völlig ausgeschlossen, dass damals bzw. in den ersten Jahrzehnten nach dem Tod des Earl (1604) NIEMAND das Pseudonym aufdeckt.

2. Wir haben es hier mit einer VERSCHWÖRUNGSTHEORIE zu tun! Und was ist generell von Verschwörungstheorien und ihren Vertretern zu halten? – NICHTS.

3. Warum sollte das Pseudonym über den Tod des Earl hinaus beibehalten werden? Dafür gibt es keinen hinreichenden Grund.

Zu 1:

Warum sollte es jemand riskieren, das Pseudonym aufzudecken? Wenn die Hocharistokratie auf dem Pseudonym besteht, heißt das: Eine damals durchaus wirkungsvolle Macht steht mit kräftigen Sanktionen bereit, um Vorwitz zu bestrafen.

(Noch zu prüfen, inwieweit diese Story stimmt:

1599 haben es zwei Autoren versucht. Sie haben angenommen – und geschrieben! – dass hinter dem Namen William Shakespeare in der Widmung der Versepen jemand von Adel stecken müsste, und zwar Francis Bacon. Die beiden Bücher wurden sofort von Amts wegen aus dem Verkehr gezogen, die Autoren verwarnt. Ich erinnere mich, dass einer von ihnen Marston war.)

Zu 2:

Da gibt es keine Verschwörung. Sondern einen Wertekonsens.

John F. Kennedy war ein womanizer. Solange er Präsident war, haben weder die sensationsgeilen Medien noch Kennedys schärfste politische Feinde diese Schwäche ausgenutzt. Das Präsidentenamt war in dieser Hinsicht tabu. Man hat die Ehre des Amts geschützt. War das eine Verschwörung?

Ähnlich der Fall Franklin D. Roosevelt. Er war polio-gelähmt. Dass er nicht gehen und nicht stehen konnte, dass er alles im Sitzen machen musste, zeigt zu seinen Lebzeiten kein Bild und kein Film. Niemand erwähnt es in den Medien. – Man respektiert das Amt, selbst als Gegner.

Das sind zwei Fälle, in denen es keine Sanktionen von oben gegeben hätte, wenn jemand das Schweigen gebrochen hätte. In der Zeit um 1600 schlägt auch die Macht zu, falls jemand über die rote Linie geht.

Zu 3:

Das ist der schwierigere Teil für die Verteidigung unseres Arguments.

Ich verweise dazu

auf das Unterkapitel zum First Folio über Southampton

auf das Pseudonym-Kapitel Southampton

auf das Pseudonym-Kapitel Sonette

Kurz gesagt:

Sowohl der problematisch-intime Inhalt der Sonette als auch die Interessen des mächtig gewordenen Earl of Southampton haben die weitere Verschleierung zusätzlich erzwungen – über das weiter bestehende Faktum hinaus, dass Theaterstücke damals noch nicht den Kunstrang von Lyrik erreicht haben, sondern noch vielfach als wildes Bühnenspektakel abgewertet wurden. Für die Earls war es also nachwievor problematisch, Theaterstücke unter dem adeligen Namen zu veröffentlichen.

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