Name: Der Bindestrich

Auf vielen Quartos und Octavos finden wir die Schreibweise mit dem Bindestrich. Es sind etwa 45%: Shakespeare 19x, Shake-speare 15x. Auch auf dem Sonett-Band heißt der Autor Shake-speare. (Nicht ein einziges Mal Shakspere – also so, wie sich der Mann aus Stratford selber geschrieben hat.)

Immer nur bei den Veröffentlichungen kommt der Bindestrich vor, dann aber auffallend häufig. Niemals benutzt Shakspere persönlich den Bindestrich. Auch sonst in persönlich zuschreibbaren Fällen kommt der Bindestrich bei ihm oder für ihn nicht vor.

Offensichtlich lag die Entscheidung für den Bindestrich nicht beim Autor – er hatte nichts damit zu tun: weder, wenn der Autor der Mann aus Stratford war noch wenn es sich um ein Pseudonym handelt. Auch der unter Pseudonym veröffentlichte Autor hat keinen Einfluss genommen.

Deutet das an, dass es sich bei dem Namen um ein Pseudonym handelt?

Es kommt auch vor, dass sich damals ein Engländer mit bindestrich-geeignetem Namen durchaus mit Bindestrich geschrieben hat, ohne dass damit ein Pseudonym gemeint war.

Es war ein seltener Fall.

Es gibt kein Beispiel dafür, dass jemand seinen Namen so häufig auf Publikationen mit Bindestrich schreibt.

Warum überhaupt verwenden die Verleger und Drucker (und der Autor?) den Bindestrich? Haben sie dafür ein Motiv?

Drucktechnische Umstände können es nicht gewesen sein. Der Bindestrich bringt keine größere Klarheit des Druckbildes. Er verdeutlicht nur das kriegerische oder kriegerisch-musische oder stolz-aristokratische Bild des Speer-Schüttlers: Der Autor kommt von oben.

Hat die Wahl des Pseudonyms etwas mit Edward de Vere, Earl of Oxford, zu tun? Der Hinweis auf die Speer-Schüttlerin Athene kommt in seiner Biographie schon lange vor der ersten Shakespeare-Veröffentlichung vor. Und taucht immer mal wieder auf, auch im Sonett 38, in welchem Athene als die 10. Muse gepriesen wird. (Es sind bekanntlich offiziell 9 Musen.)

Wofür steht „Shake-speare“ als Name? – Für die Speer-Schüttlerin Pallas Athene, allegorisch für das Elisabethanische Ideal des gelehrten Soldaten, des rittermäßigen man of letters, der sowohl die Feder als auch den Speer zu führen weiß. – Auf den Kaufmann aus Stratford will das nicht so recht passen, außer hinsichtlich der Ähnlichkeit seines Namens.

Ich sehe bei der Bindestrich-Frage an sich kein besonders wichtiges oder starkes Indiz gegen den Mann aus Stratford. Aber eben doch ein Indiz, das im Zusammenhang mit den anderen Indizien Gewicht gewinnt.


Fortsetzung: Aussprache

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