Name: 6 Unterschriften

Konnte Shakspere schreiben?

Die sechs zumeist anerkannt-authentischen Unterschriften Shaksperes auf Rechtsdokumenten haben viel Interpretation erfahren.

Sie sind erstens so unterschiedlich, dass man annehmen muss: Sie stammen nicht alle von der selben Hand. (Nur die letzten drei auf dem Testament kommen von der selben Hand.)

Sie sind zweitens alle (fast alle?) so unsicher hingekrakelt, dass man annehmen kann: Sie stammen nicht von einem Menschen, der es gewöhnt ist, die Feder zu führen.

Die zweite Feststellung widerspricht der ersten: Hat Shakspere einen Schreiber oder Anwalt für sich unterschreiben lassen, so kämen die Unterschriften von einer sicheren Schreibhand.

Die drei Unterschriften auf den drei Seiten des Testaments könnten auch deshalb so wackelig sein, weil der Sterbende keine ruhige Hand mehr hatte.

Für die Verfasserschaftsfrage ergeben diese letzten drei Unterschriften also kein Indiz.

Bei den beiden Blackfriars-Unterschriften halte ich die Annahme für plausibel, dass Shakspere hier versucht hat zu unterschreiben, und da er das Schreiben nicht geübt war, sind diese Versuche zum einen wackelig oder verkrampft, zum andern zweimal sehr verschieden ausgefallen.

Als Shakspere seine Zeugenaussage selbst unterschreibt, kommt es zu einer ungelenken Unterschrift, die ungefähr die Buchstaben Shakp oder Shaxp lesen lässt. Hier führt der Geschäftsmann aus Stratford – wohl noch gesund? – vor, dass er nicht über keine (für gebildete Personen, aber auch für Schauspieler übliche) deutliche Handschrift verfügt. Es ist die erste Unterschrift in einer Reihe von sechs. So, wie diese Unterschrift aussieht, unterschreibt einer, der grade mal seinen Namen hinkrakeln kann, und nichts anderes.

Ein weiterer Aspekt contra Shakspere als Autor bezüglich der Unterschriften: Im 16. Jahrhundert wird die English Secretary-Schrift allmählich von der modernen Italian Hand abgelöst. Die Gebildeten verwenden auch für ihre Unterschriften fast nur noch die Italian (Italic). Auch die Schauspieler, zu allermeist.

Shaksperes Unterschriften sind aber noch in der alten English Secretary. Schwer vorstellbar, dass er hoch gebildete Vielschreiber Shakespeare nicht die Italic verwendet hat.

Noch ein Aspekt: Frank Davis (bei Shahan/Waugh) bildet typische Unterschriften von 28 Autoren und 11 Schauspielern ab: Alle verraten: Man legt wert auf individuelle und lesbare und überzeugende Unterschrift. Shakspere offensichtlich nicht. Warum nicht?

Die meisten Schauspieler in London konnten auch schreiben; aber nicht alle … Für den Schriftverkehr wird der reiche Geschäftsmann Shakspere seinen Sekretär bemüht haben.


Detaillierte Darstellung findet sich in Shahan/Waugh: Shakespeare Beyond Doubt? – Shakespeare Authorship Coalition. 2016. Darin: Frank Davis: Shakespeare’s Six Accepted Signatures. Seite 29 – 40.

Diana Price: Shakespare’s Unorthodox Biography. 2012. – Seite 126 – 129


Fortsetzung: Hand D bei „Sir Thomas More“

Fortsetzung: Binde-Strich

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