Die Sonette 2: Der Titel

Der Titel heißt nicht: Sonnets, by William Shakespeare. Sondern: Shakespeares Sonnets. Auch das ist ungewöhnlich, vor allem, wenn der Autor noch lebt.

William Shakespeare war ein Marken-Name. Unter diesem Namen ließ sich gut verkaufen. Der Verleger und der Drucker wollten Geld verdienen – mit Shakespeare als Autor ließ sich Geld verdienen.

An die 80 Theaterstücke von anderen Autoren sollen unter dem Autornamen Shakespeare aufgeführt und verkauft worden sein …

Es war also geschäftsklug, den Namen ins Spiel zu bringen.

Um 1609 sind Sonette nicht mehr in Mode. Insofern ist es ein Risiko, sie jetzt zu veröffentlichen. Aber mit dem attraktiven Namen Shakespeare konnte der Verleger das Risiko eingehen.

Inhaltlich waren sie problematisch. Sodomie, dazu die Dark-Lady, dieses beinahe pornographische Will-Sonett …

Es ist nicht klar, warum Thorpe nicht den üblichen Weg beschritten hat: Sonnets, by William Shakespeare. Sondern die dritte Person gewählt hat.

Ist es als eine Geste zu verstehen, mit der er den Autor zu schützen versucht? Nach dem Motto: Ja, sie stammen aus dem Fundus von Shakespeare, aber hat er sie auch wirklich geschrieben?

Ich habe hier nur Fragen, keine Antworten.


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