Stratford-upon-Avon: Thomas Quiney

Im Februar heiratet Judith Shakspere Thomas Quiney, und diese Hochzeit hat es in sich.

Erstens findet sie überstürzt in der Fastenzeit statt, weshalb die beiden Eheleute kurzzeitig (und ohne, dass es so schlimm ist, wie es klingt) exkommuniziert werden müssen.

Zweitens hat Thomas im Jahr zuvor Margaret Wheeler geschwängert, die Tochter des Boten Randle Wheeler. Die Frau stirbt mit ihrem Kind im März 1616 bei der Geburt. Thomas Quiney wird daraufhin vom „bawdy court“ angeklagt und bestraft. Die Buße fällt am Ende relativ milde aus: 5 Schilling und eine öffentliche Abbuße vor einer kleinen Kapelle außerhalb von Stratford, so dass es nicht viele Leute mitbekommen.

Drittens hat es Thomas Quiney eilig, zu Geld zu kommen, denn er möchte gerade ein Haus erwerben. Er hofft dabei auf die Mitgift von Judith.

Viertens ist Judith bereits 31 und in der Gefahr, eine alte Jungfer zu werden. Sie nutzt die Chance, zu einem Mann zu kommen.

Fünftens ändert William Shakspere noch einmal sein Testament. Er möchte nicht, dass dieser ihm wohl unliebsame Schwiegersohn Zugriff auf die Werte bekommt, die er Judith vermacht.

Thomas Quiney kommt aus einer alten angesehenen Familie der Stadt, ist aber nur dritter Sohn. Er selbst ist „Winzer“, das heißt wohl, er hat eine Taverne und schenkt Wein aus oder handelt mit Wein.

Die problematischen Umstände der Heirat belasten seine Zukunft wohl nicht: Noch im nächsten Jahr wird er „burgess“ und „constable“, tritt also in den Dienst der Stadt. 1621 und 1622 übernimmt er das verantwortungsvolle Amt des chamberlain – zuständig für die Liegenschaften, Pachten, Steuern und Gelder der Stadt.

Er scheint auch etwas Französisch gekonnt zu haben.

Anders als Shakspere zeigt seine Unterschrift, dass er versiert im Schreiben ist und dass er sich mit seiner Unterschrift auch selbst auszudrücken versteht.

Ab 1630 scheint es mit Thomas Quiney bergab zu gehen.

Was bringt uns der Blick auf Thomas Quiney für die Verfasserfrage? – Es ist interessant wegen der Aktivitäten des bawdy court. Shaksperes öffentlich bekundeter Ehebruch hätte 1609 vor diesen „Gerichtshof für schlüpfrige Angelegenheiten“ (eigentlich peculiar court, Gerichtshof für spezielle Angelegenheiten) kommen müssen.

Oder nicht? War dieser Gerichtshof im Falle eines besonders reichen und mächtigen Gentleman nicht zuständig?

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