Testament: Etwas Skurriles

Gegen Ende des Testaments werden wir ganz besonders irritiert: Da steht, dass Tochter Susanna Hall auf Lebenszeit über alle Besitzungen (außer denen, die schon anderen zugewiesen worden sind) verfügen soll

und nach ihrem Ableben ihr erster leiblicher und legitimer Sohn und die männlichen leiblichen Erben ihres ersten leiblichen und legitimen Sohnes; und falls es an einem solchen mangelt, ihr zweiter leiblicher und legitimer Sohn und dessen männliche Erben; und falls solche Erben fehlen, der dritte leibliche und legitime Sohn besagter Susanna und dessen leibliche und legitime Erben; und falls solche fehlen, ebenso weiter und nacheinander ihr vierter, fünfter, sechster und siebter leiblicher und legitimer Sohn und deren leibliche männliche Erben auf jene Art und Weise, wie es zuvor bestimmt wurde, dass ihr erster, zweiter und dritter leiblicher Sohn und deren männliche Erben verfügen sollen; und falls es an solchen fehlt, meine Tochter Judith und deren legitime Söhne; und falls es an solchen fehlt, für immer die rechtmäßigen Erben von mir, William Shackspeare.

zitiert nach Sobron, S. 275

Das also hat der sprachmächtige Autor Shakespeare diktiert? In keiner Shakespeare-Biographie sollte dieser Abschnitt aus dem Testament fehlen. In keiner sollte der Versuch fehlen, das vorliegende Sprach- und Denkfiasko zu erklären.

Dabei zeigt sich Shakspere in den anderen Teilen des Testaments zwar kleinlich, aber doch in der Sache fit – er weiß schon, trotz einiger Ungeschicklichkeiten in der Formulierung und in der Konzeption, was er hat und wem er es vermachen will, so kompliziert das im einzelnen sein mag.

Seine Tochter Susanna, deren Nachkommen er bis zum siebten Sohn das Erbe zuspricht, hat 1607 geheiratet und bis 1616 nur ein Kind zur Welt gebracht, eine Tochter. Dabei wird es auch bleiben. Susanna, geboren 1583, ist 1616 bereits 33 Jahre alt – Shakspere rechnet mit der Möglichkeit von noch zu gebärenden sieben Söhnen!

Und wie umständlich und holprig formuliert er, was er sich da denkt?

Das ist so unendlich weit vom Autor der Werke entfernt, dass mir niemand weismachen kann: DAS OBEN ZITIERTE hat der Schöpfer der Werke William Shakespeares diktiert.

Kein Wunder, dass praktisch alle Shakespeare-Biographen das Testament nur ganz nebenbei ansprechen – und die Stelle mit den sieben Söhnen kommt bei ihnen nicht vor.

Sie MÜSSEN sie verbergen. Denn andernfalls könnten die Laien anfangen, an der Autorschaft dieses Mannes aus Stratford zu zweifeln.

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