Testament: „the second best bed“

Es hat die Bardologen immer ins Schwitzen gebracht. Schließlich müssen sie uns einen SYMPATHISCHEN Shakespeare vermitteln. Und das mit dem second best bed sieht schlimm aus.

Ann Shakspere erbt nur dieses Bett. Sie wird nun ganz der Herrschaft ihrer Tochter bzw. deren Mannes unterworfen sein. Der Mann ist es, der rechtlich der Besitzer von allem ist, was zu seinem Haushalt gehört. Ann Shakspere hat nichts Eigenes mehr, sie wird des Hausherrn Untertänin.

Es ist eine Demütigung.

Normalerweise würde Shakspere auch seine Frau zur Vollstreckerin des Testaments ernennen; er überträgt diese Aufgabe aber Tochter Susanna und deren Mann John Hall.

Die Demütigung wird am deutlichsten darin, dass ernicht ein einziges Mal ihren Namen nennt, geschweige denn, wie es üblich wäre, diesem Namen dann noch ein freundliches, anerkennendes Adjektiv voranstellt. Fünfmal spricht er die Namen seiner beiden Töchter aus, dreimal den seiner Enkeltochter Elizabeth und seiner Schwester Joan. Sie alle bekommen ordentlich etwas – und Ann? – Arme Ann!

Was tun? Die Shakespeare-Fälscher versuchen es damit, dass sie – gegen das, was wir wissen – behaupten:

Ehefrau Anne bekommt automatisch ein Drittel des Besitzes ihres verstorbenen Mannes. – Abgesehen davon, dass das für die Zeit nach dem Erbschaftsgesetz Heinrichs VIII. nicht mehr gelten kann (der Mann kann und muss alles in seinem Testament festlegen, so, wie er es will): Wie könnte man nach dem vorliegenden Testament bestimmen, was zu dem Drittel für die Ehefrau gehört?

Oder: Das second best bed sei das Ehebett. Warum nennt er es dann nicht das Ehebett? Second best – ist generell in Testamenten negativ konnotiert, wird darum als Qualifizierung üblicherweise vermieden.

Oder: Hat nicht Thomas Combe Sen. 1609 seiner Frau ebenfalls nicht das beste Bett vermacht (sondern seinem Sohn William Combe Jr.)? – Allerdings erbt die Frau außer dem Bett – das nicht abwertend „zweitbestes“ genannt wird – noch vieles mehr. (Es würde mich interessieren, ob Thomas Combe in diesem Testament die Frau beim Namen nennt, samt ehrenvollem Beiwort, und ob die Verfügung darüber, was die Frau bekommt, ans Ende und zwischen die Zeilen gequetscht wird.)

Uns drängt sich die Vermutung auf: Sein Verhältnis zu seiner Frau war katastrophal schlecht. Er konnte oder wollte sie nicht achten. Er hat die Gelegenheit des Testaments genutzt, um sie zu demütigen.

Soviel zum „gentle“ Shakespeare.

Natürlich ist es auch möglich, dass am schlechten Verhältnis die Frau schuld war. Sie könnte ein „Drache“ gewesen sein, zum Beispiel. Tochter Susanna allerdings schenkt der verstorbenen Mutter 1623 liebevolles Gedenken, sie scheint ihre Mutter sehr geschätzt zu haben.


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