The Tempest

Angeblich 1610/1611 verfasst, weil es Schiffbruch-Vokabular von Stratcheys 99 Seiten langen Bermuda-Report verwende.

Einmal abgesehen davon, dass es auch umgekehrt sein kann – Stratchey verwendet Vokabular für seinen Bericht, das er von einem Schauspieler gehört hat, der früher einmal in The Tempest bei Hofe oder in einem Aristokratenpalast mitgespielt hat:

So gut wie alles Vokabular, das Shakespeare in The Tempest für den Schiffbruch verwendet, findet sich in mehreren anderen Werken, die Shakespeare gelesen hat, zum Beispiel der Bibel (Apostelgeschichte, Schiffbruch von Paulus vor Malta), oder Erasmus von Rotterdam, oder Ariosts Orlando Furioso, vor allem Hakluyts Schiffbruchsbericht. Außerdem hat 1596 ein Schiffbruchs-Bericht von Raleigh London elektrisiert – auch ein Anlass, das Stück zu schreiben und auf die Bühne zu bringen.

Stratcheys Formulierungen zum Schiffbruch ähneln vor allem denen von Hakluyt und sehr viel weniger denen von Shakespeare. (Vgl. dazu Peter R. Moore, S. 189-191)

Die Bermudas sind seit Anfang des 16. Jahrnunderts in England als gefährliches Meeresgewässer bekannt. Das Stück selbst hat mit den Bermudas nichts zu tun, sondern eher mit Mittelmeer-Inseln.

Warum erwähnen alle die Ausgaben von The Tempest dies alles nicht? Warum tun sie so, als sei es (literatur-)wissenschaftlich erwiesen, dass der Autor unbedingt Stratcheys Bericht gelesen haben müsse? – Mit Wissenschaft hat solche Ignoranz nichts zu tun.

Mehr über The Tempest demnächst!

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