Vorwort

Dieses Internetbuch entsteht Schritt für Schritt. Jede Seite ist vorläufig, viele Seiten sind noch nicht aufgeschlagen. Ich hoffe, bis Ende des Jahres durch zu sein. Aber auch danach werden die Seiten weiter offen bleibt für Veränderungen. Darin liegt einer der Vorteile eines Internetbuches.

Gehen Sie also immer davon aus, dass jede Seite, die Sie hier lesen, veränderbar ist und verändert – verbessert – werden wird. (Im Kommentarteil werde ich auf substanzielle Änderungen an einer Seite hinweisen; das Datum des Artikels ändere ich entsprechend.)

Es geht in diesem „Buch“ nicht um die Detailforschung, sondern darum, den Überblick über das gesamte Thema herzustellen – und ihn inmitten der Debatte und angesichts aller Korrekturen zu bewahren. Von der Zusammenfassung her ist zu erkennen, wie die einzelnen Teile zusammenhängen und wo noch Schwächen und Leerstellen bestehen.

Ich forsche also nicht selbst, sondern bringe das, was andere erforscht haben, zusammen und mache es überschaubar. Dabei immer mit kritischem Blick auf die Stärken und Schwächen der jeweiligen Darstellung.

Meine Informationen entnehme ich überwiegend englisch geschriebenen Büchern und Website-Beiträgen. Die meisten Deutschen, die sich mit der Autorschaftsfrage beschäftigen, verstehen genug Englisch, um diese Texte ohne Übersetzung verstehen zu können. Vielen wird es aber leichter fallen, die Argumente in ihrer Muttersprache zu lesen und zu verdauen.

Ist mein Standpunkt parteiisch? – Bedingt. Meine bisherigen Erkenntnisse laufen darauf hinaus, dass nicht der Stratforder, sondern Oxford der Autor „Shakespeare“ war. Ich bin aber durchaus neugierig zu sehen, ob die Argumente im Feuer der Debatte meine vorläufige Überzeugung stützen können. Aus Lebenserfahrung weiß ich, dass ich mich irren kann – auch schwer und peinlich irren kann. Es lohnt sich also für mich, die Türen und Fenster meines Theoriehauses offen zu halten und den Zweifel gastfreundlich zu bewirten.

Wer war Shakespeare?

Ich möchte es gern wissen!

Ich möchte es gern herausfinden!

Die Stratfordianer gehen von vorn herein davon aus, dass der Stratford-Mann, nennen wir ihn Shakspere, der Autor der Werke war, die unter dem Namen Shakespeare veröffentlicht worden sind.

There is no (reasonable) doubt.

Wer daran zweifle, begebe sich auf das Niveau der Intelligent-Designer und Holocaust-Leugner, auf das Niveau der Verschwörungstheoritiker.

Darum bestehe kein Grund, sich mit der Verfasserfrage ernsthaft zu beschäftigen. Sie sei wissenschaftlich so komplett erledigt wie die die sogenannte Holocaust-Frage, die ja auch keine Frage ist, sondern bösartige Propaganda.

Falls dann doch eine Antwort notwendig würde, antwortet man nur in der Weise, all die dummen Einwände als dumm erkennbar zu machen, und indem man sich verächtlich anschaut, was diese verqueren Typen, die da am Offensichtlichen zweifeln, zu ihrem irren Treiben veranlasst.

Wir halten dagegen: Der „Stamm der Stratfordianer“ tabuisiert die Verfasserschaftsfrage. Er fundamentalisiert die Auseinandersetzung mit ihr. Er verweigert den forschenden, den neugierigen Blick auf das überraschende Phänomen, dass im Falle Shakespeare Werk und (angeblicher) Autor nicht recht zusammenpassen wollen.

Theorien können richtig sein – und falsch.
Theorien werden behauptet, begründet, diskutiert, bestritten, eventuell widerlegt oder bewiesen.
Theorien werden leider auch geglaubt, für heilig und unbestreitbar erklärt, tabuisiert, fanatisch oder missgelaunt verteidigt gegen „Ketzer“ oder „Idioten“.

Wer verhält sich hier irrational – die professionellen Anglisten (und ihre Mitläufer), die die Verfasserschaftsfrage tabuisieren, oder die meist nicht-akademischen Skeptiker, die sie kritisch stellen und auf empirische (!) Zweifelsgründe Bezug nehmen?

Wie kommen die Stratfordianer dazu, ihre Hypothese zu tabuisieren? Die Auseinandersetzung zu fundamentalisieren? Uns, die Skeptiker, zu beleidigen? Was hat dieses Verhalten mit Wissenschaft zu tun?

Unser Internetbuch wendet sich an alle, die bezüglich Shakespeare neugierig sind. Nicht an die Shakespeare-Spezialisten und professionellen Anglisten, obwohl uns deren Einwände interessieren und manchmal auch korrigieren könnten.

Wir stellen uns die durchschnittlichen deutschen Shakespeare-Leser oder das Shakespeare-Film-Publikum vor. Wir alle fragen neugierig: Wie können wir uns den Autor Shakespeare vorstellen?

Shakespeare ist- unserer Überzeugung nach – der größte Autor der westlichen Welt. Möglicherweise der bedeutendste Dichter aller Zeiten und aller Kulturen. Da möchte man schon gern wissen, wer er war und wie er gelebt und gedacht hat, selbst wenn man kein Literatur-Freak ist und keine Lust hat, sich in das Labyrinth der wissenschaftlichen Debatte und auf das Schlachtfeld der Autorschaftsdebatte zu begeben.

Soviel kann man auf jeden Fall feststellen: Die Identität des Autors ist umstritten.

Wir haben auf dieser Website alles so eingerichtet, dass Sie fragen können; dass Sie mitreden können.

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14 thoughts on “Vorwort”

  1. Alles klar, verehrte Frau Magister , meine Unterstellungen (schreiben Sie) sind langweilig!. Forschen bedeutet (schreiben Sie) auf wissenschaftlicher Basis , Evidenz zu finden (Wofür?). Mit Ihren bescheidenen Mitteln an Zeit und Material, ( schreiben Sie) nicht zuletzt auch auf Grund ihrer ungenügenden Beherrschung der Sprache (schreiben Sie ) , maßen sie sich das (?) nicht an. ( was?, Forschen auf wiss. Basis?)
    Dass Sie das lächerlich finden und glauben, darüber abfällig urteilen und spotten zu dürfen, disqualifiziert Sie ein wenig für einen sachlichen Diskurs. Schade Schade Schade. Würde gerne Ihre „bescheidenen Mittel“ durch Zusendung meines Buches in jener nie gewollten Form von „Abfälligkeit und Spott“ zusenden. Wenn Sie mir ihre Postadresse schreiben würden ….

  2. Herr Conrad, Ihre Unterstellungen sind langweilig. Forschen bedeutet auf wissenschaftlicher Basis Evidenz zu finden. Mit meinen bescheidenen Mitteln an Zeit und Material, nicht zuletzt auch auf Grund der ungenügenden Beherrschung des Sprache, maße ich mir das nicht an. Das Sie das lächerlich finden und Sie glauben, darüber abfällig urteilen und spotten dürfen, disqualifiziert Sie für einen sachlichen Diskurs. Überlegen Sie sich, ob Sie das ändern wollen, ich habe sonst keine Lust mehr, auf Ihre Beiträge einzugehen. Ansonsten, bleiben Sie einfach bei Ihrem Kandidaten Marlowe und lesen Sie weiter lieber auf der Oxfraud Seite über De Vere. Wenn Sie glauben, das wird Ihnen Erkenntnis bringen, bitte. – Ihre Frage über etwaige Briefe von Shakespeare ist da symptomatisch: der Startfordianer konnte nicht einmal seinen Namen schreiben, allenfalls etwas lesen. Es gibt einen erhaltenen Brief an ihn von Thomas Quiney, in dem es natürlich nicht um Theater oder Schriftstellerei geht. Von Oxford gibt es eine Menge Korrespondenz, mit diversen Menschen, in mehreren Sprachen. Wenn Shakes-speare ein Pen Name war, und davon bin ich überzeugt, gibt es keine Briefe, aber auch sonst keine Begegungen mit einem „Theatermann“ Shakespeare. Die Elisabethaner haben viel korrespondiert und Tagebücher geführt. Nirgendwo schreibt irgendwer, er habe den Schriftsteller Shakespeare getroffen. Am Hof ist er niemals leibhaftig aufgeschienen als Person. Einmal ist er in einer Liste erwähnt worden, als Mitglied der neu formierten Kings Men. Bei Henslow in den 1590 zigern: Fehlanzeige, weder als Schauspieler, noch als Schriftsteller existent. Aber seine Stücke sind aufgeführt! Ben Jonson hat den Namen zweimal als Schauspieler in Besetzungslisten erwähnt – einmal mit, einemal ohne Bindestrich, das ist lustig.

  3. Ach kommen Sie, Frau Magister, das ist doch langweilig.-( Ich verwende Ihre phänomenale Eingangsbegrüssung.)
    Meine einzig gestellte Frage (kein einziger Brief von William aus Stratford, Warum?) haben Sie leider nicht beantwortet. Warum eigentlich nicht?
    Wie kommen Sie darauf, dass viele kluge Geister Marlowe nicht in Italien verortet haben?. Oder haben Sie etwa die Bücher von Robert Ayres, Samuel Blumenfeld, Daryl Pinksen (oder sogar das eigene) und viele viele mehr gar nicht wenigstens angelesen?- schade! schade, schade!

  4. Zur Lese (Hör)-liste von Leo Brux:
    Dr. Jayne Archer und die Professoren Richard M. Turley und Howard Thomas von der University of Aberystwyth in Nordwales berichteten 2013 auf einem Literatur Festival über ihre preisgekrönten Ergebnisse und Recherchen , dass Shakspere aus Stratford Lebensmittel wie Weizen und Gerste kaufte, hortete und Malz in Zeiten von Nahrungsmittelknappheit mit einem Gewinn über einen Zeitraum von 15 Jahren verkaufte. Er kombinierte legale und illegale Aktivitäten und wurde der größte Immobilienbesitzer in seiner Heimatstadt. Die Ergebnisse sollten den (unerwarteten) Kontrast von Shakespeares Persönlichkeit herausstellen

    Wie konnte es passieren, dass die Wissenschaftler die jahrhundertealte Hypothese der Shakespeare-Autorschaft nicht mit einem Wort erwähnten oder zumindest diskutierten?
    LInk zum Video: https://youtu.be/dfnUeZd7tQQ

  5. Danke auch für diese Post.

    Eine der Fragen treib Sie um, die auch mich – immer voller Skepsis – beschäftigt: Wie kann man sich Oxfords Verhältnis zur öffentlichen Bühne (Globe etc.) vorstellen? Also zum Volksspektakel, das die Hocharistokraten zwar sehr genossen haben (die Queen taucht als Zuschauerin sogar beim Bear-Bating gern auf), zu dem sie aber natürlich ihre hochnäsige Distanz betonen mussten. Über den Clown lacht man sich kaputt – aber man spielt ihn nicht selber und man schreibt ihm nicht für alle erkennbar seine Witze. (Heimlich aber vielleicht doch gelegentlich?)

    Ich vermute, dass für Oxford das Theater, das auch über die öffentliche Bühne zur Volksbelustigung ging, KUNST war. Und dass ihn das gegenüber seinen Adelskollegen zum Außenseiter gestempelt hat. Für die war es halt am Ende doch bürgerliches Handwerk. Das betreibt ein Aristokrat allenfalls privat, er geht damit nicht unters Volk, verkauft sein Werk nicht, verdient damit nicht bürgerlich Geld, führt nicht seine tintenbefleckten Finger vor … Es ist gut-bürgerliches Handwerk, ein Theaterstück zu schreiben, ganz anders als das Verfassen von Sonetten zum Beispiel, oder von kunstvoll geformten Verserzählungen. Aber selbst diese edlen Produkte sind Werke der Muße und nicht für den bürgerlichen Markt gedacht. Theater ist auf jeden Fall noch Spektakel, dem Bear-Bating und der Clownerie und dem Zirkus näher als der Kunst – in den Empfindungen und Wertungen des hohen Adels – lustig, unterhaltsam, aber halt auch primitiv, niedrig.

    Im Falle von Oxford war das tragisch. Sein Ansehensverlust, seine Außenseiterstellung, die Missachtung in Adelskreisen, die er erleben musste, haben vermutlich genau damit zu tun: dass er tatsächlich ein genialer Künstler war – und wusste, dass er es war. In den Sonetten hat er es direkt zur Sprache gebracht.

    Damit ich hier nicht missverstanden werde: Anders als fast alle anderen, die sich mit Shakespeare biographisch beschäftigen (pro oder contra Stratford), lege ich Wert darauf, skeptisch zu sein und skeptisch zu bleiben. Ich vertrete hier Hypothesen, Theorien – und die können ganz falsch oder partiell falsch oder sonstwie unzureichend sein. Ich habe kein Problem damit, mir unsicher zu sein und dennoch engagiert meine Theorien zu vertreten. Wer nicht irrt, lernt auch nicht.

    Im Moment habe ich grade eine Shakespeare-Pause eingelegt, da ich mich mit einem anderen Thema intensiv beschäftigen muss. Aber ich komme bald auf mein Projekt zurück und werde weiter Seite um Seite schreiben und vorhandene Seiten ergänzen und verbessern.

    An Sie, David, möchte ich auch hier nochmal das Angebot richten, in dem Rahmen, in dem Sie möchten und zu den Punkten, die Sie interessieren, mit mir zu kommunizieren. Unter jeder Seite können Sie sich melden.

    Ich hoffe, dass sich im Laufe der Jahre mehrere Interessenten finden werden, die sich in solcher Weise beteiligen.

    PS: Davids Posting davor und meine Antwort darauf findet sich unter dieser Seite:
    http://wer-war-shakespeare.de/stratford-upon-avon/

  6. Ich knüpfe hier an meinen letzten post an und entschuldige mich dafür, dass ich noch nicht meinen Beitrag der richtigen Seite zuordnen kann. Vielleicht kann das moderiert werden? Ich selbst stehe elisabethanisch mit der Orthographie scheint’s auf dem Kriegsfuß, es muss natürlich Stratford heißen.

    Als Student der Theaterwissenschaft (Hauptfach Musikwissenschaft) und als Regisseur haben wir uns seinerzeit sehr mit dem Thema Shakespeare und das Volkstheater auseinandergesetzt. Die Elemente des Volkstheaters sind natürlich überdeutlich im Werk. Für den Kaufmann aus Stratford ist das schon ein Problem wie er überhaupt in die Sphären des Theaters gelangt ist und so sehr an ihm partizipiert haben soll, zumal wenn man bedenkt, dass er weder der Kaschemme noch dem Bier noch überhaupt den Späßen und Spektakeln der Unterschicht zugewand gewesen sein soll. Für den Theatermann in London ist das natürlich überhaupt kein Problem, da er ja selbst ein Bestandteil des Elisabethanischen Volkstheater gewesen sein soll. Für den theaterliebenden Aristokraten aber, macht es Bauchschmerzen, dass er sich so nah in dieser Welt bewegt haben muss, um all das zu lernen, was dafür notwendig ist. Klar es ist auch ein Teil seiner Italienaffinität, die Elemente der Comedia del arte, aber sollte der Aristokrat an den öffentlichen Theatern in London partizipiert haben? Er müsste ja regelrecht inkognito dort gewesen sein. Wie kann man sich vorstellen, dass er in Kaschemmen, bei den Spektakeln des Theaters auf dem Lande in der Londoner Unterschicht usw. sich bewegte? Die Sprache des Volkes erlernte? Die Figuren beobachtete? Den Oxford kann man sich schlechterdings doch nur als ein Bestandteil des Hoftheaters vorstellen. Auch wenn es sich hier um die gleichen Truppen handeln wird und die Grenzen sicher fließend waren.

  7. Da ich die Marlowe-Thematik noch nicht intensiv studiert habe, kann ich – vorerst – nur bedingt antworten.

    (1) ICH lese Literatur durchaus immer auch so, dass ich mir diese Frage stelle. MICH interesiert immer auch die innere Konsistenz eines Werks. Wie entwickelt sich Brechts Drama vom Baal über die Dreigroschenoper und die Maßnahme bis zum Kaukasischen Kreidekreis? MICH interessiert, wie sich ein Autor entwickelt und verändert. Wie verändert sich der „Brecht-Sound“? Ich sehe, dass Erward II und Dr. Faustus einen ähnlichen Stil, einen ähnlichen Geist, einen ähnlichen Atem haben. – Wobei ich mich täuschen kann. Ich lass mit mir reden. Aber so viel, glaube ich, verstehe ich von Literatur, dass ich mir ein erstes Urteil erlauben kann.
    Das ist wie bei Musik. Ich habe mich immer wieder gewundert, wenn jemand 5 Minuten hört und dann nicht sicher sagen kann, ob das von Mozart ist oder nicht. Ich höre das mit großer Sicherheit – und kann dann sagen, das ist Mozart und nicht Bach und nicht Beethoven und nicht Schubert. Ähnlich geht es mir (in der Regel) bei den Theaterstücken. Schiller-Dramen haben ihren „Sound“. Ebenso Marlowe-Dramen oder Moliere-Dramen. Kleist klingt anders als Goethe – man hört und spürt das in der Regel.
    Bei Shakespeare, das gebe ich zu, gibt es da ein paar Ausreißer. Als ich zum ersten mal Titus Andronicus gelesen habe, habe ich gedacht: Das ist doch wohl nicht von Shakespeare. Wie gesagt, das ist dann eher eine Ausnahme. Zu diesen könnten auch Pericles dazu zählen und vielleicht noch The Two Gentlemen of Verona (allderdings ist darin eine eindeutig Shakespearische Figur, Launce); offensichtlich ein Frühwerk, wohl kurz nach 1575 geschrieben. Nach Oxfords Italienreise. Ein erster Komödienversuch, noch nicht ganz gelungen.

    (2) Das ist ein Thema, bei dem ich mich im Moment noch über die Marlowianer wundere. Man sehe sich die Frauenrollen in den Marlowe-Dramen an. Und vergleiche sie mit den Frauenrollen bei Shakespeare! Was für ein Unterschied. Es geht hier nicht darum, dass mal das eine oder das andere Detail ähnlich ist. Insgesamt schafft Shakespeare ganz andere Frauenrollen als Marlowe.

    (3) Dito der Witz. Ich werde das noch im einzelnen studieren und anhand von Beispielen prüfen. Aber nachdem ich die Dramen von Marlowe gelesen habe, fällt mir der Unterschied auf.

    (4) Auch bei den beiden Juden-Figuren und der Umwelt, in die sie gesetzt werden, werde ich den Unterschied noch herausarbeiten.

    (5) Wie bringt Marlowe seine Stücke im Londoner Theaterbetrieb unter, ohne dass das Gerücht laut wird,er sei doch nicht tot? Die Frage wird hoffentlich plausibel beantwortet in Ihrem Buch, Herr Conrad. Es ist heute grade bei mir angekommen.

    Zeigen Oxfords Stücke aus der Zeit ca. 1576 – ca. 1585 keine Momente von Genialität?

  8. (1) die Frage ob Marlowe‘s Stücke zu Shakespeare passen, ist in sich durchweg fragwürdig .Passt Marlowes „Edward II“ zu Dr.Faustus? Shakespeare’s Tiitus Andronicus nicht viel besser zu Marlowe?usw.
    https://youtu.be/WWAtL2D2e1s
    (2) Ähnliches gilt für Marlowes und Shakespeares Verhältnis zu Frauen.- Markwürdig was die Stratfordianer hier zu ihrer Verteidigung alles in die Welt gesetzt haben..nichts stimmt da wirklich.Man lese „Hero&Leander“ und „Venus& Adonis“
    https://youtu.be/GZygXSElqlg. Von wem haben Sie,Herr Brux, diese Weishaeit abgeschrieben?
    (3) Über Marlowes fehlenden Witz im Vgl zu Shakespeare gibt es lange widerlegende Abhandlungen
    (4). Zwei fundamental verschiedene Welten??? Der Jude von Malta und der Jude von Venedig???Man höre sich diese Rede an
    https://youtu.be/u-Mqk_q_gN4
    (5)Ein zeitgenössisches Gerücht, Marlowe sei nicht tot, gab es erst sehr spät,…wenn überhaupt-
    Alles was an Gerüchten oder Fehlinformationen über Marlowes Ableben gestreut wurde, stammt von Marlowe (z.B. Alias Thoma Beard) selbst
    https://youtu.be/GkPhv8AyvDs
    ————-

    Die Beiträge einer 40 Jahre tätigen ALTEN DAME (Oxfordianerin) Stepanie Hopkins Hughes sind intellektuell auf hohem Niveau.,auch ihre Argumente gegen Marlowe, wenn auch inzwischen etwas abgestanden
    https://politicworm.com
    Seltsam wie diese Dame sich widerspricht: Sie Schreibt z.B.
    „Personally I like Hoffmans Notion that Marlowe was not actually murdered…! oder
    „We are free to reject this „seamy“ Murder by the dregs of Londons lowlife and its place, Dream a longer life al least for Englands Great Lyrik Poet

    Ich warte auf Ihre Entdeckungen eines minimalistischen
    Anteils von Oxfords literarisch dramatischen dialogischen Fähigkeiten .Irgendwo können die nicht 100%ig abhanden gekommen sein.

  9. Ich halte es für grundsätzlich notwendig und gut, dass wir uns die Kandidatenfrage offen halten. Das sage ich, obwohl ich Oxford als Kandidat bevorzuge und für sehr plausibel halte.

    Was mein Studium des Kandidaten Marlowe angeht, so muss ich Sie bitten, mir Zeit zu lassen. Ich kann darum auch nicht sofort auf alle Ihre in den Links gemachten Aspekte eingehen.

    Wie jeder Mensch, der einem komplexen Thema begegnet, so bilde auch ich mir eine vorläufige Meinung. Ich kann ja nicht alles auf einmal studieren. Also orientiere ich mich grob, und im Verlauf der weiteren Beschäftigung mit dem Thema vertiefe ich Schritt für Schritt mein Erkenntnisse – und ändere ständig meine Position.

    Was hat mich zu meiner Vorauswahl – der Präferenz für Oxford – gebracht? Das Lesen der Stücke. Der Eindruck, dass die von einem Aristokraten geschrieben wurden (oder einem Mann, der sich völlig mit der Aristokratie eins fühlt, auch wenn er selber vielleicht kein Aristokrat ist – so habe ich mit den William aus Stratford lange Zeit vorgestellt, bis mir dank Diana Price endlich klar geworden ist, wo dessen Prioritäten offensichtlich lagen). Da kam mir dann der Vorschlag entgegen, auch einmal Oxford in Betracht zu ziehen. Bei meiner weiteren Beschäftigung hat sich der Eindruck verstärkt: Oxford passt. Etwas Schwierigkeiten hat mir immer das dann unvermeidliche Faktum gemacht, dass die Bemühungen, seine Autorenidentität zu verbergen, so erfolgreich bleiben konnten. Das geht mir auch jetzt noch so.

    Marlowe? – Wie gesagt, ich habe seine Dramen gelesen, und ich habe Honans Marlowe-Biographie gelesen. Mehr nicht. Auf dieser natürlich noch unzureichenden Grundlage sage ich – vorerst: Marlowe wütet, Oxford spielt. Marlowe ist ein außenseiterischer Bürger, immer düster, aggressiv, ein mentaler Revoluzzer, Oxford eher ein Skeptiker, vielseitig, offen, witzig, und auf jeden Fall einer, der die Privilegien der Hocharistokratie sozusagen im Blut hat, obwohl er mit dieser Aristokratie auch erhebliche Schwierigkeiten hat: Seine Besessenheit von Theater und Kunst und Sprache treiben ihn über die Grenzen des Aristokratisch-Genehmen hinaus, machen ihn in seiner Welt zum Außenseiter.

    Ich formuliere hier einen Eindruck. Der Eindruck ist hypothetisch. Er ist ein Zwischenergebnis, eine vorläufige Orientierung im Labyrinth.

    Natürlich spielt auch eine Rolle, dass ich bei aller Mysteriosität des Mord-Ereignisses von 1593 doch zunächst einmal annehmen muss, dass Marlowe tot war. Das bitte ich mir zuzugestehen. Genau so, wie ich auch jedem Shakespeare-Leser zugestehe, dass er natürlich erst einmal annimmt, der Autor sei der Mann aus Stratford. Was soll denn ein Gymnasiast, ein Student, ein Leser sonst annehmen? Der Anglisten-Konsens ist nun mal so, wie er ist. Erst bei längerer und intensiverer Lektüre beginnt man dann mal hier, mal da zu stolpern. Ich bin, wie ich geschildert habe, ca. 1985 über den Merchant of Venice gestolpert. Und habe dann gesehen, dass mir die Anglisten die Antwort auf meine zwei Fragen verweigern. Von da aus war es dann immer noch ein weiter, weiter Weg, die Identität Shakspere-Shakespeare vollständig in Frage zu stellen. Warum sollte ich als Laie den Fachleuten und ihrem Konsens widersprechen? – Ich mache das sonst (fast) nie in meinem Leben. Wenn Fachleute gemeinsam zu einem Ergebnis kommen, das anders ist als mein eigenes, nehme ich an, dass wohl eher die Fachleute recht haben und nicht ich mit meinen bescheidenen Kenntnissen und Kompetenzen.

    Die Zahl der Stolpersteine und die Unverschämtheit und Rigorosität, mit der die Shakespeare-Experten jeden einschüchtern, der auf seinen Fragen besteht, haben mich dann allerdings auch radikalisiert. Bei aller Bescheidenheit gegenüber den Experten – verarschen lass ich mich nicht. Wer mir so kommt wie Günther und Wells (in einem der Videos, die Sie verlinkt haben), der macht mich rebellisch. Aber ich bin alt genug, um den nun unumgänglichen Kampf ruhig und sachlich und strategisch anzugehen.

    Es gibt zwei Gründe, warum ich mir so viel Zeit nehme, dieses Thema zu bearbeiten:

    Der erste war und ist: Ich bin neugierig. Ich möchte gern wissen, wer diese wunderbaren Werke geschrieben hat. Mir ist es dabei egal, wer das war, und ob ich auf dem Weg des Forschens auch einmal um 90 oder 180 Grad drehen muss.

    Der zweite Grund ist mein Spaß an der Auseinandersetzung. Was machen Edmondson, Wells, Günther, Greenblatt & Co so penetrant: Sie beleidigen mich, weil ich auf meinen Fragen, auf meinem Staunen, auf meinem Zweifel beharre. Weil ich mich nicht so leicht abspeisen lasse mit Argumenten wie:
    – Ach, der alte Shakespeare war halt schon sehr krank am Ende, und darum diktiert er jetzt in einer so unshakespearischen Sprache sein Testament.
    oder:
    – Ja mei, der Shakespeare war halt 1609 grade mal nicht in London, als Thorpe die Sonette in Druck gegeben hat, und so hat dann eben der Thorpe die Widmung geschrieben, und sich dabei dann irgendwie mit dem Adjektiv ever-living vertan.
    – Antonio hasst Shylock, weil er Kreditzinsen verlangt, und Shakespeare verleiht Geld gegen Zinsen – wieso soll das ein Widerspruch sein? Bühnenfiguren handeln, denken und fühlen nicht immer so wie ihr Schöpfer! (Wobei nun die Sympathielenkung des Autors ignoriert wird!)
    – Undsoweiterundsofort.
    Als ob es nicht zur Ehre des Wissenschaftlers gehört, zu fragen und sich fürs Fragen offenzuhalten; keine Möglichkeit des Zweifels auszulassen; den anderen, wenn er sachlich zweifelt, zu respektieren, selbst dann, wenn man selber meint, den Zweifel ausräumen zu können.

    Ich bin zunächst einmal ein interessierter, nicht ganz unbeleckter LAIE. Einer, der allerdings weiß, was ein Fachmann ist und wie man ein Fachmann werden kann. Ich genehmige mir gerade das Vergnügen, mich in Sachen Shakespeare-Autorschaft zum Fachmann zu machen. Als jemand, der Klassiker nicht nur mit Genuss gelesen hat, sondern sich gelegentlich auch wissenschaftlich mit dem einen oder anderen beschäftigt hat (in meinem Fall: Hölderlin, Goethe, Brecht), meine ich auch die fachlichen Voraussetzungen dafür zu haben.

    Was mir fehlt – und das ist tatsächlich ein Manko bei diesem Thema: Ich kann die Texte zwar im Original einigermaßen lesen und verstehen, aber ich bin dabei nicht wirklich so fit im Englisch der Zeit um 1600, wie ich es sein müsste. In dieser Hinsicht muss ich mir helfen lassen. Ich würde gern 20 oder 30 englische Dramen aus der Shakespeare-Zeit lesen, die nicht ins Deutsche übersetzt sind, aber das würde mir zuviel Zeit kosten. Da zeigt sich eine Grenze bei meinem Versuch, in dieser speziellen Frage der Autorschaft Experte werden zu wollen.

    Die andere Grenze ist – vorerst noch: Ich bin nicht vernetzt. Was das Technische angeht (Programmieren u. a.), bin ich nicht allein. Auch habe ich einen anregenden und motivierenden Gesprächspartner. Aber noch keinen engeren Kontakt mit denen, die selber in der Sache Experten wären. Vielleicht bzw. hoffentlich kommt das noch. Ich kann kein Fachmann werden ohne den Austausch mit Experten; ohne deren Einwände und Hinweise. Fachmann wird man im Kollektiv. Im Ringen mit anderen Fachleuten.

  10. Ich danke Ihnen sehr für Ihre ausführliche Antwort und Ihre Erklärungen. Bitte verzeihen Sie, wenn ich nur auf mich irritierende Sätze reagiere.Das meiste was Sie schreiben, kann man ja ohnehin nur voll unterschreiben.
    Sie schreiben, dass „ Sie sich die Argumente Contra und pro Marlowe angeschaut …und zunächst einmal festgestellt haben, dass zu Ihnen kein plausibler Weg führt…das könne sich nach eingehendem Studium natürlich ändern. Da ich -wie Sie selbst -noch dazu lernen möchte, würde mich naturgemäß interessieren, welches Argument Contra Marlowe den plausiblen Weg für Sie versperrt hat. (das Argument, dass Marlowe ja erstochen war, soll hier außen vor bleiben, da sich sonst ja eine Diskussion über die Marlowe These erübrigen würde)
    Ich bitte um Nachsicht, wenn ich schrieb, dass ich nicht mehr fragen werde oder wolle. Das bezog sich nicht auf Sie sondern allein auf mich und mein Alter und auf einen gewissen Unwillen oder die Unfähigkeit, noch einmal den dichten Wald der zahllosen Argumente zu durch“f´orsten“, irgendwann spielt das Gedächtnis nicht mehr so gut mit.
    Dass man sich die Tür des Zweifels offen lassen muss ist überaus redlich. Die muss man wohl immer – auch bei Einstein – offen lassen, wer weiß, ob die These der Lichtgeschwindigkeit als oberste Grenze Bestand hat, wenn das Phänomen der Verschränkung einmal verstanden worden sein sollte…. aber hier gefriert alles schnell zur Tautologie….
    Die mich immer noch am meisten verstörende Frage: wie konnte es passieren, das eine mächtige globale kollektive Intelligenz dem Shakspeare Problem nicht näher gekommen ist…….

  11. 1
    Ich weiß schon, wie man ein Buch schreibt. Man schreibt es fertig, prüft es und lässt es prüfen – und DANN, erst dann wird es veröffentlicht.
    Hier geht das anders. Sie können dabei sein (wenn Sie wollen) und sehen, wie das Buch allmählich wächst. Wie es sich verändert. Wie der Autor lernt beim Forschen und Schreiben.
    So geht das dank dem Internet. Ich nutze die Möglichkeit in der neuen digitalen Welt.
    Das mag für Sie und manche andere etwas ungewohnt sein …

    2
    Ich habe mir die Argumente pro und contra Marlowe und Bacon angeschaut – und zunächst einmal festgestellt, dass zu Bacon und Marlowe kein plausibler Weg führt. Das kann sich natürlich bei einem eingehenden Studium ändern.

    Oxford schien mir nach einer ersten Betrachtung als der mit Abstand plausibelste Kandidat. Ich bin selber gespannt, wie sich das bei weiterer Lektüre in meinem Kopf entwickeln wird.

    Sie wollen nicht mehr fragen und mitreden. Bittesehr.

    Sie ähneln zumindest darin den Stratfordianern. Die wollen auch nicht.

    Das ist vielleicht auch ein Zeichen unserer Zeit: Man will wieder versinken in der absoluten Gewissheit und kümmert sich nicht mehr um die Argumente der anderen. Die werden irrelevant, weil man ja schon alles weiß, was zu wissen nötig ist. Weil schon alles entschieden ist.

    Ich habe mir jahrzehntelang die Möglichkeit, dass Shakspere doch vielleicht Shakespeare sein könnte, offen gelassen. Ich sehe auch heute noch immer wieder die Sachlage mal aus der Perspektive der Stratfordianer, denke mich in sie hinein, versuche mir zu überlegen, wie ich an ihrer Stelle argumentieren könnte. Ich finde das erstens spannend, zweitens fair, drittens produktiv.

    Letztlich bin ich nicht festgelegt. Ich war, bin und bleibe irritierbar. Als Wissenschaftler lege ich wert darauf, dass ich mir nie völlig sicher bin. Das heißt: Selbst da, wo ich für den Moment sage, das WEISS ich jetzt, da bin ich mir sicher – selbst da lasse ich mir das Türchen des Zweifels offen und sage: Nun ja, im Moment, für den Moment bin ich mir sicher. Wer weiß, was ich denke, wenn sich neue Aspekte ergeben?

    Ich habe nicht das Bedürfnis nach absoluter Sicherheit in solchen Fragen wie: Wer war Shakespeare? Ich hätte nichts dagegen, wenn ich es sicher wüsste, aber es geht auch so. C’est la vie.

    3
    Ich werde mir Ihr Buch schon noch zu Gemüte führen. Und vielleicht überzeugt es mich ja. Bei mir kann man da nie sicher sein … mir fehlt es an der Treue zu meinen früheren Überzeugungen, ich springe schon auch mal über meinen Schatten, wenn es nahe liegt.

    Aber geben Sie mir ein bisschen Zeit. Mein Projekt ist auf zwei Jahre angelegt, und ich habe Mitte Februar begonnen.

    Insgesamt werde ich bis Ende 2020 dann wohl zwischen 100 und 150 Bücher rund um das Thema gelesen und verarbeitet haben, dazu natürlich auch jede Menge Stoff, der sich im Internet findet.

    Diese Sache ist übrigens nicht meine Haupttätigkeit. Ich verbringe mit „Shakespeare“ nur ca. 20 Stunden pro Woche. Aber das summiert sich natürlich über 24 Monate hinweg.

  12. Sie schreiben: “ Wir haben auf dieser Website alles so eingerichtet, dass Sie fragen können; dass Sie mitreden können.“ Ich will eigentlich nicht mehr fragen und mitreden. Irgendwann ist die eigene Zeit abgelaufen.
    Dennoch: wie konnte es passieren , dass Sie Ende des 2.jahrzehnts des 21.Jahrhundert noch ein sehr altes Thema angehen, ohne sich zuvor nicht wenigsten in ähnlichen Anteilen, mit den Argumenten der 3 wichtigsten Autorschaftskandidaten (Bacon ,de Vere, Marlowe) vergleichend auseinandergesetzt zu haben ? https://youto.be/3yCXOzxWnuM

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